Öko-Modell-Regionen

Projekte / Tourismus

Biologisches rund um Otting
Rundfahrt der Ökomodellregion: Besuch beim Biobauern, bei der Biogärtnerei und Backen mit dem Biobäcker
Artikel von Hans Eder aus der Südostbayerischen Rundschau vom 22.09.2018
Otting. / Waging am See. Otting und Umgebung standen im Mittelpunkt einer Biogenuss-Radltour, an der über 30 Radler teilgenommen haben – trotz dunkler Wolken blieb das Wetter den ganzen Tag über trocken. Die Rundfahrt begann am Holzofen beim Pfarrhof, den die Ottinger zu ihrer 1250-Jahr-Feier nach altem Muster selbst gebaut haben. Zusammen mit Bäcker Michael Wahlich aus Surheim wurde ein Mischbrot aus Roggen und Laufener Landweizen gebacken, dessen Laibe die Teilnehmer selbst geformt hatten. Bei der Verkostung tunkten die Teilnehmer ihre Brotstücke in kaltgepresste Öle aus der Region, die Ölmüller Hans Niedl aus Aiging mitgebracht hatte.

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Anschließend brachte Martin Posch bei seinem Anwesen in Eibl den Radlern die Grundsätze für die Bioweidehaltung näher. Und zuletzt führte Kristine Rühl die interessierten Besucher über ihren 1,3 Hektar großen Gemüseacker im nahegelegenen Tettenberg. Mit einer Suppe aus frisch geerntetem Gemüse aus dem Feldkochtopf sowie köstlichen Wassermelonen wurden die Gäste nach ihrem Rundgang bestens verpflegt.
„Und dann aa no mit Bio!“
Michael Wahlich ist seit fünf Jahren als Biobäcker in Surheim angesiedelt. Es sei nicht einfach gewesen, erzählte er, in einem kleinen Ort als neuer Bäcker anzufangen „und dann aa no mit Bio“. Das habe einiges an Durchhaltevermögen und Kraft gekostet. Sein Mehl bezieht er im Wesentlichen vom Demeterbetrieb Franz Obermeyer in Tengling, den Laufener Landweizen von Teisendorfer Bauern. Denn Wahlich war, wie Gruppenleiterin Marlene Berger-Stöckl, die Projektmanagerin der Ökomodellregion, anmerkte, der erste, der vor einigen Jahren die alte Sorte Laufener Landweizen wieder verbacken hat. Denn den bauen Bauern aus der Region seit einiger Zeit wieder an. Seinen Teig hatte Wahlich schon fertig gemischt mitgebracht, der Backofen war von Franz Wimmer aus Otting, einem der Erbauer, bereits zuvor ordentlich eingeheizt worden.

 

Die Teilnehmer der Bio-Tour formten dann ihre Laibe ganz nach Gusto und kennzeichneten sie mit besonderen Symbolen, um sie dann auch wiederzuerkennen. Dann wurde die knapp ein Kilo wiegenden Teigstücke in den Ofen eingeführt, von wo sie dann etwa eine Stunde knusprig-braun-gebacken wieder herauskamen – und mit großem Appetit verspeist wurden. Zusatzstoffe gibt es in Wahlichs Broten keine, und das ist ihm wichtig. Denn, so seine Feststellung, „bei vielen konventionellen Bäckern gibt es fast nur Brot aus Vor- und Backmischungen; nichts mehr wird selbst hergerichtet“. Und durch die lange Teigführung sei sein Brot auch besser verdaulich; Gluten sei hierbei überhaupt kein Problem mehr.
Öle aus Lein, Leindotter, Senf und Hanf verkostet
Die Tüpfelchen auf dem „i“ des Biogenusses waren dabei die Öle von Hans Niedl, natürlich ebenfalls aus biologischem Anbau in der Region. Niedl, der sich vor zehn Jahren seine kleine Ölmühle zugelegt hat und seitdem seine Produktion nach und nach etwas erweitert hat, präsentierte Leinöl, Leindotteröl, Senföl und Hanföl, das dann verkostet wurde, und dazu auch die Pflanzen, die man heutzutage kaum noch kennt. Der Ölmüller hob vor allem das Leinöl hervor, das wegen seines Gehalts an den wichtigen Omega-3-Fettsäuren so wichtig für gesunde Ernährung sei. Bei ihm werden alle Öle kaltgepresst. Der höhere Preis ergebe sich daraus, dass bei biologischem Anbau der Ertrag gegenüber konventionellem Anbau mit entsprechender Düngung gerade mal bei gut einem Drittel liege. Zudem ist der Anbau dieser Pflanzen nicht ganz einfach, wie Marlene Berger-Stöckl erzählte.

 

Etwa der Senf, der seit zwei Jahren in der Ökomodellregion verstärkt angebaut wird, muss wegen der Schädlinge, gegen die im biologischen Landbau ja nicht gespritzt werden darf, im Gemenge – also zusammen mit anderen Pflanzen – angebaut werden, was den Bauern, die sich daran gewagt haben, viel Experimentierfreude abverlangt und immer wieder auch Rückschläge bringt. Und beim Flachsanbau (Öllein) kommen die Erntemaschinen wegen der starken Fasern oftmals an ihre Grenzen und verstopfen.

 

Mit Brot und Öl gut gestärkt machten sich die Radler nunmehr auf den kurzen, aber stetig ansteigenden Weg hinauf nach Eibl. Biobauer Martin Posch gab seinen Gästen inmitten der von ihm bewirtschafteten, etwa 50 Hektar umfassenden Flächen – davon der größere Teil angepachtet – einen Einblick in die Arbeit auf einem Biobetrieb. Der Betrieb sei seit der Umstellung vor etwa acht Jahren kontinuierlich gewachsen, von 40 auf inzwischen 50 Kühe, die in der warmen Jahreszeit immer auf der Weide sind und zwischen drei großen Koppeln hin- und herwechseln. Als Nahrung erhalten die Tiere, wenn sie in den Stall kommen (was sie jederzeit tun können), zusätzlich eine Mischung aus Heu und Silage sowie – computergesteuert nach ihrem jeweiligen Bedarf – auch Kraftfutter.

 

Um sein Heu so nahrhaft wie möglich einfahren zu können – das heißt für Posch vor allem ohne die Verluste durch das häufige Wenden – wird bei ihm das Heu rasch eingefahren und dann durch Belüftung getrocknet.
Die Umstellung nach dem Wechsel auf Biobewirtschaftung sei „nicht tragisch“ gewesen, so Posch auf eine Frage aus dem Kreis der Besucher. Gut, das Problem des Ampfers habe gelöst werden müssen: Da mussten die Pflanzen einzeln ausgestochen werden, was viel anstrengende Arbeit bedeutet hat; „kipperweise“ habe man den Ampfer abtransportiert. Aber seitdem halte sich der Bewuchs in Grenzen, auch wenn man stets ein Auge drauf haben müsse.
Problem Verdichtung wird unterschätzt.
Ganz wichtig ist Posch, dass der Boden nicht mit schweren Maschinen befahren wird; denn, so seine Überzeugung, das Problem der Verdichtung, die heutzutage durch die riesigen Geräte geschehe, werde nach wie vor unterschätzt: „Was da gemacht wird, ist eine Katastrophe!“ Schließlich zeigte Martin Posch den Besuchern noch seinen Stall, in dem die Kühe viel Luft, Licht und Platz haben. Letzte Station der Rundfahrt war die Gärtnerei „Solidarische Landwirtschaft“, die Kristine Rühl seit einigen Jahren betreibt. Auf der rund 1,3 Hektar großen Fläche werden, wie die Besucher bei einem Rundgang mit der Gärtnerin sehen konnten, an die 50 verschiedene Gemüse angebaut. Dabei wurde viel gefachsimpelt, hatten doch viele Teilnehmer auch zu Hause ihre Gemüsegärten.
Das Prinzip der „Solidarischen Landwirtschaft“ beruht auf Pflanzenbau nach Demeter-Richtlinien, und der Absatz geschieht nach festen Ernteteilen. Das heißt, dass sich Interessierte für jeweils ein Jahr dazu verpflichten, Woche für Woche einen Anteil an Gemüse abholen – je nach Jahreszeit und anfallender Menge ganz unterschiedlich sortiert. Für etwa 70 Ernteteile ist die Produktion von Kristine Rühl ausgerichtet, noch sind längst nicht alle Anteile geordert. So sind für kommendes Jahr noch Ernteanteile zu vergeben. Interessierte können mit einem Probe-Ernteanteil beginnen oder einfach am Samstag auf den Acker kommen, um sich zu informieren.
Es sei schön, hier zu arbeiten, meinte Gärtnerin Kristine Rühl, „auf der toll gelegenen Fläche mit Blick auf den Waginger See und bis hinüber nach Salzburg“. Das konnten die Besucher der Biogenuss-Radltour gut nachvollziehen, als sie nach dem Rundgang durch die Gärtnerei in dem Kreis aus Strohballen Platz nehmen konnten und in den Genuss einer wohlschmeckenden Gemüsesuppe kamen, die vor Ort über offenem Feuer zubereitet worden war. Als Nachspeise gab es Wassermelonen und köstliche Andenbeeren – frisch gepflückt in Otting.
Hans Eder, Artikel in der SOR vom 22.09.2018

 

Biobäcker Michael Wahlich wiegt den vorbereiteten Teil aus Roggen und Laufener Landweizen ab… Foto: Eder    und die Fahrtteilnehmer formen daraus ihre Laibe...,    ... die dann in den Holzofen geschoben werden. Fotos. Eder

 

 

Und nach etwa einer Stunde sind die leckeren Brotlaibe fertig.    Ölmüller Hans Niedl präsentierte seine Öle und zeigte dazu auch die Pflanzen, aus denen sie gewonnen werden: Lein, Leindotter, Senf und Hanf.    Marlene Berger-Stöckl (rechts), die Managerin der Ökomodellregion, dankte Biobauer Martin Posch (links) für seine Ausführungen über seinen Bioweidebetrieb mit einem kleinen Mitbringsel.

 

 

Interessante Gespräche entwickelten sich beim Rundgang durch Kristine Rühls Demeter-Gärtnerei in Tettenberg mit rund 50 Gemüsesorten. Fotos: Eder

 


 

Prämierte Genussorte auf dem Bayerischen Genussfestival
Waging und Fridolfing zeigen in München ausgewählte Produkte aus der Region

Das kulturelle und kulinarische Erbe landwirtschaftlicher Erzeugnisse haben in diesem Jahr die „100 Genussorte Bayern“ mit auf das Bayerische Genussfestival auf dem Münchner Odeonsplatz gebracht. Jeder dieser Orte hatte ein Konzept zur Teilnahme am Bayerischen Genussfestival abgeben. 27 Bewerbungen waren dieser Aufforderung nachgekommen, aus sieben Regierungsbezirken wurde je einer genommen – in Fall Oberbayern zwei: Waging am See und Fridolfing.

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Das vom hiesigen Organisationsteam ausgewählte Angebot ergab eine Auswahl von Monika Obermaiers Bio-Ziegenkäse und Wildkräuterkäse vom Thomahof für die Gemeinde Fridolfing, jeweils auf Jessica Romstötters Bio-Hanfweckerl, sowie die Waginger See Hoibe, das Bio-Zwicklbier der Schlossbrauerei Stein für die Marktgemeinde Waging.
Am Samstag fand unter Begleitung eines Weinakademikers die Verkostung dieser Schmankerl in Kombination mit zwei Weinen statt, am Freitag und am Sonntag gehörte die Bühne für 20 Minuten den Repräsentanten, um vor allem auch Appetit auf die Waginger-See-Genusswochen zu machen, die vom 16. September bis 14. Oktober stattfinden. Gut 15.000 Besucher feierten beim sommerlichen Ambiente an weiß gedeckten Tischen unter großen Sonnenschirmen mit. An allen drei Tagen sorgten Musiker live und unplugged für gute Unterhaltung.
Über den Besuch von Ehrengästen freute sich die heimische Delegation am Freitagabend, als Michaela Kaniber (Bayerische Staatsministerin), Prof. Dr. Richard Balling (Ministerialrat vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), Artur Steinmann (Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes) und Klara Zehnder (die fränkische Weinkönigin) am Zelt vom Waginger See Halt machten. Den Genussort Waging repräsentierten an diesem Tag Marlene Berger-Stöckl (Ökomodellregion), Eva Gruber (Tourist-Info Waging), Christian Eder (Schlossbrauerei Stein) und Franz Mayr (Schlossbrauerei Stein).
Vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten waren im Rahmen eines Wettbewerbs 100 Orte, Gemeinden oder Städte ausgewählt worden, die kulinarisch hochwertige Spezialitäten und kulturell regionale Besonderheiten bieten. Diese sollten für einen unverwechselbaren Genuss stehen, Bezug zur lokalen Geschichte, Handwerk, Land(-schaft) und Leuten haben.

 

Produkte müssen aus regionalen Rohstoffen hergestellt werden, man muss sie bei der Erzeugung oder Verarbeitung im Ort aktiv erleben können, sie müssen aus einer herausragenden kulinarischen und kulturell geprägten Gemeinde oder Stadt stammen, eine lange Tradition oder interessante Entstehungs-geschichte haben und zur Identifikation der Menschen vor Ort mit Ihrem kulinarischen Erbe beitragen. Zwei dieser Orte, die genau diese Anforderungen erfüllen und über deren Produkte man sich beim Genussfestival freuen durfte, waren Waging am See und Fridolfing.

 

Hans Eder, erschienen in der SOR und TS Tagblatt am 17.08.2018

 

Wein trifft auf Bier: Artur Steinmann (von links), der Präsident des Bayerischen Weinbauverbands, und seine Weinkönigin Klara Zehnder besuchen den Stand vom Waginger See mit Marlene Berger-Stöckl (Ökomodellregion), Landwirtschaftsministerin Kaniber, Franz Mayr (Schlossbrauerei Stein), Eva Gruber (Touristinfo Waging) und Christian Eder (ebenfalls Schlossbrauerei Stein). Foto: Christian Jäger

 


 

Regionale Bioprodukte auf die Teller
„Biowirtenetzwerk“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel vorgestellt

 

Teisendorf – „Für uns als kleine Nebenerwerbler ist diese Ökomodellregion eine wunderbare Erfolgsgeschichte“, sagte der Landwirt Hans Koch aus Holzhausen bei Teisendorf. Viele kleine Biodirektvermarkter wie Koch stellen nur ein einzelnes Produkt her, wie Biokalbfleisch – im Falle von Koch – oder Biosonnenblumenöl. Der Zukunft dieser Höfe dient das neu geschaffene „Biowirtenetzwerk“ der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Es wurde nun im Hotel Gut Edermann öffentlich vorgestellt.

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„Bio ist spitze, aber es muss regional sein“, befand als Ehrengast Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie begrüßte, dass die Salzachklinik in Fridolfing seit 2015, nach Abschluss des Coachings „BioRegio“ ihres Hauses für die Ökomodellregion mit einem Biokoch, einen klar definierten Anteil an regionalen Bioprodukten verwendet, nämlich 20 Prozent.

 

„Gerade die selbst erzeugten, absolut naturnahen Produkte haben einen besonderen Reiz für die Region und tragen zum Erhalt kleiner Höfe bei. Immer wichtiger wird in der Vermarktung die Außer-Haus-Verpflegung und die Gastronomie“, so Ökomodellregions-Koordinatorin Marlene Berger-Stöckl. Für die Gastronomie seien die Möglichkeiten einer Biozertifizierung inzwischen flexibler geworden: Jeder Wirt, der Interesse hat, einen Teil seines Aufwands in Bio zu tätigen und ohne Aufwand auf der Speisekarte sichtbar zu machen, könne daran teilnehmen. Das bedeute nicht, dass nur noch Bioprodukte verwendet werden dürfen. „Der Anteil darf ruhig anfangs klein sein. Wichtig ist es, den Umgang mit der Biozertifizierung und mit dem regionalen Einkauf einzuüben und den Anteil später zu steigern“, erklärte Berger-Stöckl gegenüber der Heimatzeitung.
In der Ökomodellregion haben sich Ende 2017 bis Anfang 2018 mehrere Gastwirte und Hoteliers sowie ein Catering-Service zusammengefunden und biozertifizieren lassen: das Hotel Gut Edermann aus Holzhausen bei Teisendorf, mehrere Betriebe aus Waging wie das Hotel Eichenhof, das Strandkurhaus und Yvonne Liebl, die auch für die „Biogenusskiste“ der Ökomodellregion verantwortlich zeichnet, und das für seine Regionalität bekannte Hotel Rehlegg aus der Ramsau.
Sie bekennen sich damit zu einem regionalen Bio-Anteil in ihrer Küche. Erzeuger wie zum Beispiel der Geflügelhof Kettenberger aus Tittmoning können ganz anders planen, wenn sie rechtzeitig wissen, wie viele Küken aufzustellen sind, weil durchgehend ein entsprechender Absatz da ist. Dieses Netzwerk kommt auch Landwirten wie Hans Koch zugute: Er konnte im Vorjahr seine gesamte Jahresproduktion, 17 Kälber, in der Region vermarkten. Sein Kalbfleisch kommt unter anderem im direkt benachbarten Wellnesshotel auf den Tisch. „Marlene Berger-Stöckl hat bei mir nicht locker gelassen“, berichtete der dortige Geschäftsführer Michael Stöberl.

 

Von ihr und der Zertifizierungsstelle „ÖkoP“, die er mit seinem Küchenchef Ronny Völkel aufsuchte, habe er große Unterstützung bekommen. „Diesen Weg zur Biozertifizierung haben wir uns viel schwieriger vorgestellt“, so Stöberl. Er machte anderen Gastronomen Mut: „Man muss davor keine Angst haben.“ Das Hotel, das vor sechs Monaten innerhalb einer Woche seine Biozertifizierung erhalten habe, müsse nun lediglich den Fluss der Waren, die möglichst frisch sein sollten, dokumentieren.
„Die Hotelgäste fragen immer mehr nach Bio“, erklärte Stöberl. Auch vorher habe man schon Biolebensmittel verwendet. Inzwischen seien 30 bis 40 Komponenten beim Frühstücksbuffet Bio – etwa ein Drittel der Waren –, und auf der Speisekarte stünden drei bis vier Gerichte mit Bio-Anteil.
Es gibt viele Gründe, warum Gäste auf der Speisekarte Bio wählen: Der Verzicht auf Pestizide und mineralische Dünger leistet einen wichtigen Beitrag zur Sauberhaltung der Gewässer wie Waginger See und Abtsee und damit auch des Trinkwassers. Eine vielfältige Landschaft, der Artenschutz und mehr Tierwohl werden unterstützt. Auch den Weg der Ökomodellregion zur Genussregion treibt das Biogastronetzwerk voran, weshalb sich auch die Vertreter der großen Tourismusverbände BGLT und Chiemgau-Tourismus in Holzhausen eingefunden hatten.
Erste Besonderheiten sind die „Waginger See Hoibe“, das erste Biobier mit heimischer Braugerste, sowie der „Waginger See Kas“, der von diversen Biokäsereien der Ökomodellregionen stammt. Regionale Biokochkurse oder Biogenussradltouren eröffnen dem Tourismus weitere Perspektiven. Hilfreich für die Biogastronomen ist auch die zeitgleiche Biozertifizierung des Schlachthofs Laufen.

 

Artikel von Veronika Mergenthal aus der Südostbayerischen Rundschau vom 24.04.18

 

Stolz auf das neue Biowirtenetzwerk (v.li.): Eva Gruber, Leiterin der Tourist-Info Waging, Michael Stöberl vom Hotel Gut Edermann, Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, Landwirt Hans Koch und Klaus Lebek vom Hotel  Bild: Veronika MergenthalBio-Kochkurse in der Ökomodellregion von Esspedition Yvonne Liebl  Bild: Daniel Delang


 

„Bei uns ist der Genuss zu Hause!“

Waging freut sich über die Auszeichnung als „Genussort Bayern“

 

Waging am See. „Es ist jetzt amtlich: Bei uns ist der Genuss zu Hause!“
Große Freude bei der Waginger Tourist-Info-Leiterin Eva Gruber und bei all den vielen anderen, die zu der Auszeichnung von Waging am See als „Genussort Bayern“ beigetragen haben (wir berichteten bereits kurz).

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In der Allerheiligen-Hofkirche in der Residenz München haben Eva Gruber, die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl und Julia Lampersperger von der Firma Bergader aus den Händen von Landwirtschaftsminister Brunner die Auszeichnung entgegen genommen. Damit stehe Waging am See, wie Eva Gruber zufrieden feststellt, nun für besondere Genuss-Schätze und engagierte Leute, die sich für das kulinarische Erbe ihrer Heimat einsetzen.
Waging am See ist zusammen mit neun Nachbargemeinden Mitglied der seit 2014 staatlich anerkannten Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Deren Ziele sind vor allem die Förderung des Ökolandbaus und somit der Erzeugung von heimischen Bioprodukten. Werte wie Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben. In Kooperation von Tourismus und Ökomodellregion ist in den vergangenen Jahren viel geschehen – eine stolze Liste an Projekten hat sich daraus ergeben, die letztlich zu der Auszeichnung „Genussort Bayern“ geführt haben.

Eine ganze Reihe an Produkten ist dabei entstanden: die Waginger-See-Hoibe, ein Bio-Zwicklbier der Schlossbauerei Stein mit Bio-Braugerste aus der Region; der Waginger-See-Kas, ein Bio-Käse aus der Region von zehn Milchbauern und zwei Hofkäsereien; das Bio-Flaschlbrot, eine Backmischung aus regionalem Getreide mit Laufener Landweizen; die Bio-Genusskiste, eine Auswahl regionaler Lebensmittel mit saisonal wechselnden Inhalten; das Bio-Rupertirind im Glas. Zudem haben sich in der Region einige Restaurants und Cateringbetriebe bio-zertifizieren lassen und bieten zahlreiche regionale Produkte an.

Begleitet werden all diese Initiativen von einem umfangreichen touristischen Genussprogramm:
Angebote von 21 Wirten auf das ganze Jahr verteilt (Musikantenstammtisch, Genuss-Schweinebraten, Fisch-, Spargel-, Pfifferlingswochen, Grillabende, Bierverkostung), jeden Samstag Bauernmarkt, die Bergader Schmankerlstund, Bierverkostungen, Kochkurse, Kräuterwanderung mit der Diplom-Kräuterkundlerin Geli Egger auf den Mühlberg, kulinarischer Spaziergang durch Waging, Pilzwanderung mit Till Lohmeyer, Gemüse zum Selberernten, geführte Hofladen-Radtour, Obstbrennerei-Besichtigungen, Steckerlfischgrillen, Waginger Genusswochen mit regionalen Produkten in der Gastronomie mit Begleitprogramm und als Finale die Schmankerl-Meile beim Handwerker- und Bauernmarkt.

All das und noch einiges mehr, so fasst Eva Gruber zusammen, seien die Gründe dafür, warum ausgerechnet Waging am See ¬- neben sechs weiteren aus dem Bezirk Oberbayern – diese Auszeichnung erhalten hat.

Die erste Wettbewerbsrunde war am 23. Juli 2017 von Landwirtschaftsminister Brunner gestartet worden. Bis zum 25. September 2017 konnten die Bewerbungen zum Genussort eingereicht werden. Der Wettbewerb hat viel Zuspruch aus allen Regierungsbezirken Bayerns erhalten. Die rund 150 eingereichten Bewerbungen wurden von einer unabhängigen Expertenjury mit Vertretern aus Kultur, Kirche, Wissenschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Gastronomie, Verbraucherschutz und Medien bewertet. Aus diesen zahlreichen Bewerbungen hat die Jury 46 Genussorte in Bayern ausgewählt.

Minister Brunner nannte in seiner Rede zur Preisverleihung die Auszeichnung „Genussort Bayern“ als „eine Abgrenzung von industrieller Nahrungsmittelproduktion“. Landwirtschaft, Kultur, Landschaft, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Tourismus müssten noch stärker vernetzt und verbunden werden.

Und man dürfe sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben: „Wir wollen optimale Lebensbedingungen schaffen, Brauchtum und Tradition lebendig gestalten, Kraft schöpfen für die Zukunft, uns von Massenprodukten unterscheiden, müssen die Spitze der Qualitätspyramide weiter erklimmen, die Wertschätzung unserer regionalen Produkte weiter verbessern, die Nähe zum Verbraucher herstellen und somit eine gesteigerte Wertschöpfung schaffen.“ Und, so der Minister zum Abschluss, „die Auszeichnung sollte nicht als Ruhekissen missverstanden werden, sondern Ansporn sein, nochmals Gas zu geben und unsere Region mit allen Trümpfen, die wir zur Hand haben, weiterzuentwickeln“. he

Artikel vom 08.03.2018 in der SOR, Autor: Hans Eder

 

Julia Lampersperger von der Firma Bergader (von links), die Leiterin der Waginger Tourist-Info Eva Gruber sowie die Gesundheitstrainerin und Vollwertköchin Yvonne Liebl waren nach München gefahren, um für Waging die Auszeichnung als „Genussort Bayern“ abzuholen. Fotos: TI Waging

 

 


 

Erste Biomesse mit regionalen Produkten aus der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel

 

Waging am See. Das erste Treffen mit heimischen Lieferanten aus der Ökomodell-Region Waginger See – Rupertiwinkel mit dem neu gegründeten Bio-Gastro-Netzwerk fand im Hotel Eichenhof statt. Über 20 Lieferanten, ein Großteil davon bäuerliche Erzeuger, stellten ihr Unternehmen und ihre Bio-Erzeugnisse vor und luden dazu ein, die große Vielfalt heimischer Spezialitäten kennenzulernen und zu verkosten.

Ziel dieser ersten regionalen Biomesse für Gastronomen war es, den Wirten und Köchen von biozertifizierten und interessierten Einrichtungen aufzuzeigen, dass es im Wareneinkauf für die meisten Lebensmittelgruppen hochwertige Alternativen aus der Region und sogar in Bioqualität gibt.

 

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Viele Erzeugnisse sind bei rechtzeitiger Vorbestellung und einer engen Kooperation zwischen Bauer und Wirt auch in den gewünschten größeren Mengen und Gebinden zu bekommen, die die Gastronomie braucht. Landwirte und Gastronomen gemeinschaftlich besser zu vernetzen bleibt ein wichtiges Ziel in der Ökomodellregion. Langfristig kann eine direkte Vermarktung von Bioprodukten für manche Betriebe eine passende Alternative sein. Ein Gastronom, der sich in der Qualität für seine Gäste abheben will, kann dies durch sein Angebot an besonderen regionalen Lebensmitteln anschaulich unter Beweis stellen, wie Richard Mahringer, Geschäftsführer des Hotels Rehlegg aus der Ramsau, erläuterte. Er berichtete, wie viele Stammkunden eine Qualität, die auf die Herstellungsbedingungen sehr achtet, inzwischen zu schätzen wissen.

Hans-Jörg Birner, Bürgermeister von Kirchanschöring und Vorstandssprecher der Ökomodell-Region, begrüßte die geladenen Gäste, den Kreis der Erzeuger, Küchenchefs und Bürgermeisterkollegen aus mehreren Gemeinden. Ziel der Ökomodell-Region sei es, mehr heimische Bio-Produkte zu erzeugen und deren Vermarktung zu fördern sowie mit Landwirten, Gemeinden und Verbrauchern ökologische Entwicklungen anzuschieben. Deshalb sei das neu gegründete biozertifizierte Netzwerk ein wichtiger Schritt. Er hoffe, dass sich weitere Einrichtungen anschließen werden.

Eva Gruber von der TI Waging erklärte, die Zusammenarbeit mit der Ökomodell-Region passe gut zur jetzigen touristischen Ausrichtung unter dem Motto „Jeden Tag ein kleines Abenteuer“. Täglich sollen die Gäste mit kleinen Programmen wie Kräuterwanderungen, Hofladen-Radtour, Kochkurse, Besuch der Schnapsbrennerei und Brotbacken aufmerksam gemacht werden. Hier seien jetzt auch besondere Angebote aus der Ökomodellregion wie bioregionale Kochkurse oder „Geschichten aus der Ökomodellregion“ wie zur „Waginger See Hoibe“ oder zum „Waginger See Kas“ integriert. Die Genusswochen haben sich mittlerweile etabliert, durch das neue Biogastronetzwerk könne man jetzt über eine eigene Bioschiene für die Genusswochen nachdenken. „Wir haben 2017 ein Tourismuskonzept für die Ökomodell-Region entwickeln lassen, wobei wir festgestellt haben, dass sich erste Projekte daraus langsam von allein entwickeln, wie Bio in der Gastronomie oder die Präsentation der regionalen Bio-Erzeuger mit ihren Produkten.“, so Gruber. Weitere Vorschläge, die zur Umsetzung anstehen, sind das Ferienwohnungskörberl und die „kreative Speisekarte“ aus der Ökomodellregion. „Wir wollen dem Bio-Erzeuger ein Gesicht geben“, sagte Eva Gruber, deshalb soll es auch eine Reihe „Gesichter aus der Ökomodellregion“ geben.

Waging wurde vor kurzem als „Genussort Bayern“ ausgezeichnet und im März finde die Übergabe des Landwirtschaftsministers statt. „Eine Chance für uns alle, die in der Ökomodell-Region dabei sind“, sagte Gruber. Dabei war die Bio-Zertifizierung im Gastrobereich (Hotel Rehlegg in der Ramsau, das Waginger Strandkurhaus, Hotel Eichenhof und das Hotel Gut Edermann in Teisendorf, im Catering-Bereich Yvonne Liebl von der „Esspedition“ und das Landhaus Tanner aus Waging) eine wichtige Beteiligung. Das große Ziel sei es, künftig eine Bio-Genuss-Region aufzubauen, in enger Zusammenarbeit mit den Erzeugern, der Gastronomie und den Touristikern.

Maria Stangassinger vom Tourismusverband Berchtesgadener Land unterstrich, dass auch ihr Verband in einer nachhaltigen Entwicklung große Chancen sehe. „Die Zielsetzung der Ökomodellregion für mehr Nachhaltigkeit passt bestens zu der Strategie der neuen Dachmarke unseres Verbands, die auch mit der Biosphärenregion abgestimmt ist. Wir werden uns über gemeinsame Angebote mit dem Waginger Verband für die Ökomodellregion künftig noch mehr Gedanken machen“, so Stangassinger. Mit zwei biozertifizierten Betrieben im Landkreis, dem Gut Edermann in Teisendorf und dem Hotel Rehlegg in der Ramsau, sei ein guter Anfang gemacht, den es jetzt auszubauen gelte. Der Verband sei für eine weitere Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion offen.

Klaus Lebek vom Hotel Eichenhof, Ingo Martinez-Castillo vom Strandkurhaus Waging, der Sous-Chef Sebastian Meyer vom Gut Edermann und Richard Mahringer erläuterten kurz ihre ersten Schritte als biozertifizierte Einrichtungen. Die Gastronomie braucht die Sicherheit, dass bestellte Ware zuverlässig im vereinbarten Umfang pünktlich geliefert wird, damit eine Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern funktioniert.

Anschließend informierten die Landwirte und Verarbeiter der Reihe nach über die Herstellungsweise ihrer Produkte. Das Angebot reichte im Getreidebereich vom Biobier mit der Braugerste von zwölf Biobauern über regionale Müslisorten mit Biodinkel und Hafer aus der Ökomodellregion bis zu Produkten aus Urgetreide oder Laufener Landweizen. Die Bäcker Michael und Barbara Wahlich aus Surheim haben sich für Backkunst aus reinem Biogetreide mit traditionellen Herstellungsverfahren und langen Reifezeiten für die Teige entschieden, heute eine Seltenheit. Johann Niedl aus Aiging presst Öle aus Lein, Leindotter, Hanf, Sonnenblumen und seit kurzem auch Biosenf und wünscht sich, dass ein heimischer Landwirt auch in den Anbau von Ölkürbis einsteigt, damit er Kürbiskernöl herstellen kann. Maria Frisch und Monika Obermeier stellen Frischkäse aus Ziegenmilch in vielen Varianten her, die mobile Käserei Chiemgau verkäst Milch von 10 Bauern aus der Ökomodellregion ab Hof zu Schnittkäsen. Hans Grabner und Hans Reiter von der EG Schlachtvieh erläuterten die Aktivitäten der EG zur Vermarktung von Biofleisch. Einige Gastronomen werden bereits mit Bioschweinefleisch und Biogeflügel von Hans Posch aus Nußdorf und Sebastian Kettenberger aus Tittmoning beliefert, Metzger Gottfried Heilmaier stellte seine Spezialisierung auf Produkte aus Pinzgauer Rind vor. Eine Besonderheit ist auch die Belieferung mit Spezialitäten wie Lammfleisch oder Damwild wie z.B. durch den Betrieb Gitzinger aus Kirchanschöring. Bei den Biogemüsebaubetrieben muss das saisonale Sortiment manchmal durch Großhändler ergänzt werden, um dem Mengenbedarf großer Gastronomen auch außerhalb der Saison gerecht zu werden. Dabei wurde deutlich, dass es auch Großhändler gibt, die nur im süddeutschen Raum einkaufen und wichtige Abnehmer für Landwirte sind, die für den normalen Großhandel zu klein sind und für die sich durch die Zusammenarbeit ein wichtiger Absatzmarkt mit der Gastronomie öffnet.

Eine Möglichkeit, die künftig in der Region stärker genutzt werden sollte, ist es laut Projektleiterin Marlene Berger-Stöckl im Gemüsebau auch, am Jahresanfang Bestellungen für den Anbau gewünschter Produkte durch die Gastronomie entgegenzunehmen. Sie fasste abschließend zusammen, bei einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, in der man sich kennt, sollte es künftig noch besser gelingen, bisherige Hindernisse in der Lieferlogistik oder im Warenumfang auszuräumen, um die Gastronomen auf ihrem Weg zu mehr Bioware aus der Region zu unterstützen. Umgekehrt betonte sie, wie wichtig der Beitrag heimischer Wirte für mehr Biolandbau sei – „Sie leisten damit auch etwas für den Erhalt unserer bäuerlichen Landschaft“.  Immer mehr Konsumenten machen sich Gedanken über die Produktion und Transportwege der Lebensmittel und der Trend läuft eindeutig auf biologische und nachhaltige Produkte. Viele Produkte haben sich aus den „Kinderschuhen“ zu professionellen Angeboten weiterentwickelt, und von Jahr zu Jahr wächst das Angebot von Bio-Produkten aus der Region stetig.

Abschließend wurden die Bioprodukte verköstigt, dabei konnten die wichtigen Liefermodalitäten im Einzelnen besprochen werden.

In gewissen Teilbereichen funktionieren die Bio-Umstellung in der Gastronomie hervorragend, dass dies viele andere aus Region auch machen. bs

Erschienen am 6.02.18 in der Südostbayrischen Rundschau, Artikel von Brigitte Sojer.

 

Wirte und Köche konnten sich über die Produktpalelette der heimischen Bio-Erzeuger informieren mit anschließender Kostprobe Bild: Sojer

 

 


 

Aus der Region für die Region
Ökomodellregionen: Ein sehr eingängiges und sympathisches Teil-Projekt der BioRegio Bayern 2020 sind dabei die Ökomodellregionen
(13), die sich seit 2013 allesamt intensiv bemühen, innerhalb ihrer „Gemeindeverbünde“ rein biologische Wertschöpfungsketten
aufzubauen. Bedarfsgerecht – d.h. immer vorrangig die ortsansässigen Abnehmer im Auge – zu produzieren und alle Beteiligten miteinander
zu verbandeln. Klar, nicht so leicht, aber bereits teilweise schon recht gut gelungen.

 

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Einer der letzten im Kreise (seit 2015) und bislang erste niederbayerische Ökomodellregion ist das rund 50 Kilometer lange Ilztal zwischen Grafenau und Passau. Touristisch nicht überlaufen (ILE Ilzer
Land), bieten sich hier doch außergewöhnliche Fluß- und Auen biotope (Flusslandschaft des Jahres 2002/2003) und unverfälschtes Bauernland.

Für Naturliebhaber sicher auch ein Plus ist die unmittelbare Nähe zum Nationalpark Bayerischer Wald. Die Bemühungen um den Aufbau eines Netzwerkes mit ökologischen Betrieben steckt noch in den Kinderschuhen. Es wird allerdings eifrig geplant – wir sind gespannt.  Ein Vorbild ist hier sicher die Österreicherin Hannelore Hopfer, die mit ihrem Reiterhof in Ringelai, direkt vor den Toren des Parks (im sog. Schmalzdobl) ein idyllisches Hideaway für sich selbst und ihre Gäste geschaffen hat.

Das Restaurant des Kapellenhofes ist eine gelungene Verbindung von traditionellem bayerischem Wirtshaus und zeitgemäßer regionaler Küche. Wertiges Essen, liebevoll gestaltete Räume, ein idyllischer Pferdehof – ein wunderbarer Ort, um inmitten von Wiesen und Weiden die Alltagshektik zu vergessen. In der kreativen Küche legt man großen Wert auf regionale Lieferanten und „gute, alte Kochkunst“ ohne Fertigprodukte. Soweit möglich werden Bio-Zutaten verwendet und selbstverständlich wird täglich frisch gekocht.

Die Weine stammen ausnahmslos von ökologisch wirtschaftenden Winzern.    www.kapellenhof.eu    www.ilzerland.bayern www.oekomodellregionen.bayern . Die Vorreiterrollen der Ökomodelle sind natürlich längst besetzt mit den alten Hasen z.B. Waging-Ruperti winkel und die Gegend rund um Altötting bzw. Mühldorf (Inn-Salzach bzw. Isental) – beide östlich vom Chiemsee im Südosten Bayerns.

Zudem sind beide attraktive Ferien-und Ausflugsdestinationen, die sich mit rund 50 bis 100 Kilometern Entfernung von München auch gut für einen Tag oder übers Wochenende einplanen lassen. Landwirtschaft, Handel, Hotellerie bzw. Gastro und eben auch der Tourismus (z.B.mit Hofladen-Radltouren, Genusstagen,Kulinarischem Kalender) – hier wächst mit viel Engagement auch bereits merklich zusammen, was zusammen passt.

So landen Senfsaaten vom Waginger See beim Ökofeinkosthändler Byodo in Mühldorf (auch Onlineshop), das edle Rupertirind vom Metzger Heilmaier (Waging) auf den Tellern der Restaurants rundum, Milch, Eier und Getreideprodukte in den Verkaufsregalen vor Ort. Besonders Barnhouse (Cerealien, Müsli etc., s.o.), ebenfalls in Mühldorf, unterstützt seine Lieferanten vor der Haustür mit fundiertem Landwirtschafts- Knowhow, nachhaltigen Projekten, Abnahmeverträgen, u.v.m.
Ganz taufrisch biozertifiziert wurden übrigens das Hotel Eichenhof und das Strandkurhaus (beide in Waging direkt am See) sowie das Wellnesshotel Gut Edermann in Teisendorf und das Berghotel Rehlegg in Ramsau bei Berchtesgaden Wir gratulieren!
www.inn-salzach.com www.byodo.de
www.rupertirind.de
www.hotel-eichenhof.de
www.gut-edermann.info www.rehlegg.de
www.strandcamp.de/strandkurhaus-waging-am-see

Viel Sinn für Lokalkolorit und die gemeinsame Sache zeigt auch die Schlossbrauerei Stein (Naturland) in Stein a.d. Traun mit seiner Waginger See Hoibe (naturtrübes, untergäriges Bio-Zwicklbier) und neu seit September gibt’s die Bio-Genusskiste von Yvonne Liebl („Esspedition“) mit jeweils einem saisonalen Sortiment an Lebensmitteln vom Waginger See samt Umland (keine schnellverderbliche Frischware) plus passende, selbstkreierte Rezeptkarten. Bestellbar viermal jährlich, einzeln (79 Euro), als Abo oder auch in der Geschenkversion (39 Euro).
Zudem regelmäßige Kochevents, „Bio-Regional Querbeet“, 39 Euro inkl. Lebensmittel und Rezepte.
www.steiner-bier.de
www.esspedition-liebl.de
www.waging-am-see.de

Aus ihren Rezepten für die hochwertigen Produkte von ihren Feldern macht auch Julia Reimann von Chiemgaukorn (Naturland) kein Geheimnis. Das junge Paar, beide Agrar-Ingenieure, baut bei Trostberg (zwischen Waginger und Chiemsee) u.a. bevorzugt alte, widerstandsfähige und wesentlich gehaltvollere – sprich gesündere – Getreidesorten (Emmer, Einkorn), Braunhirse, Ölsaaten (Lein, Leindotter, Hanf) und Leguminosen (Linsen) in bodenschonender Fruchtfolge an.

Manchmal bis zu 20 verschiedene Pflanzensorten pro Jahr. Mit dem „Bayerischen Reis“, einer Art Graupen aus Perlgetreide (Weizen, Dinkel), ist ihnen eine vollwertige, sehr schmackhafte Reisalternative mit unendlichen Einsatzmöglichkeiten gelungen. Inzwischen hat es die Spezialität auch in viele anspruchsvolle Küchen der gehobenen Restaurants geschafft – und zog bei den Bayerns beste Bioprodukten 2015 mit einer Goldprämierung vom Platz. Ein wahres Füllhorn ist nicht nur der zugehörige Hofladen, die Chiemgaukorn-Produkte sind auch problemlos via Onlineshop zu bestellen. Selbstgepresste, edle Speiseöle, Getreidemix, Rezepte u.v.m – auch in hübsch zurechtgemachten Geschenkversionen. Gutscheine ab 10 Euro.
www.chiemgaukorn.de

Urlaub mit Ökogewissen

Ois immer bio? Daheim weniger das Problem, doch was tun unterwegs beim Ausflug oder im Urlaub? Und auch diese Branchen haben sich längst umgestellt und halten sowohl Verpflegung als auch Unterkünfte in den verschiedensten Preiskategorien parat. Etwas Vorplanung ist allerdings erforderlich, spontan alles vorzufinden wie erträumt, geht leicht schief. Fliegen, Auto, Bahn? Bereits im Vorfeld ein heikles Thema. Urlaub mit komplett reinem Ökogewissen, mit konsequenter Achtung vor Natur und Umwelt ist und bleibt eine Herausforderung!

Das Berghotel Rehlegg (ca. 700m) in Ramsau ist so ein Familienbetrieb, der sich bereits sehr lange ganz konsequent diesem Anspruch stellt. Ein vier Sterne-Plus-Haus, inmitten des Biosphärenreservats und vor den Toren des Nationalparks Berchtesgaden. Auf Anhieb kaum zu unterschieden von den schönen anderen Betrieben dieser Kategorie. Komfortabel, sehr wertig ausgestattet, viel Holz, stilvolles, rustikal-behagliches Ambiente ohne Bavaro-Kitsch. Erstmal nicht zu erkennen ist, dass das Rehlegg das einzige klimapositive Hotel Oberbayerns ist.

Auffallend ist auch die kompromisslose Auswahl von Qualitätsproduktenfür Küche und Keller und eine bewusste Bindung an regionale Lieferanten, die die gleichen Werte und das Engagement teilen. Fleisch, das zu Lebzeiten nicht artgerecht gehalten wurde, findet im Rehlegg keinen Weg auf die Teller. Den absoluten Verzicht auf „Quälfleisch“ nennt der Chef selbst sein Credo. Das fast ausgestorbene Schwarze Alpenschwein z.B. wird deshalb extra für die verwöhnten Gaumen der Gäste wieder gezüchtet und darf den ganzen Sommer nach Lust und Laune über die Wiesen toben.

Schnell entdeckt auf der Karte auch die Produkte von Chiemgaukorn (s.o.). Das Mineralwasser stammt aus den Bergen vor der Haustür, die
Kelterei pflegt alte Obstsorten und die Rehlegger Leit´n ist ein Biotop mit 70 verschiedenen Pflanzen und ein Paradies für Falter.
Und wenn sich fünf Arten Bienen hier zuhause fühlen.    www.rehlegg.de

Il Plonner – der ganz besondere Gasthof: Ok, alleine die Mitgliedschaft bei der Kooperation der Bio Hotels verspricht bereits
ein überdurchschnittliches Ökobewusstsein. Das Pärchen Carola und Domenico Petrone haben es jedoch geschafft, sich einen ganz
eigenen Namen zu machen – weit über ihren Standort (Oberpfaffenhofen bei Weßling) hinaus. Bayerische Tradition trifft
auf italienische Würze und neben der ambitionierten, frischen Bioküche im Hotel- Gasthof avancierte Carola selbst über ihren Catering
Betrieb Il Cielo zur guten Seele der Region, zur Bio Mama. Rund 4.000 biologische Mahlzeiten für Schulen und Krippen verlassen
täglich ihre sieben Küchen.Verständlich, dass bei so viel Glut für die Sache auch die Möglichkeit geboten Meetings (ressourcen- und
klimaschonend) zu nutzen – Tagungen im Rahmen eines wohlig-reinen Biogewissens. www.ilplonner.de

Schlossgut Oberambach: Ein echtes Postkar ten idyll in privilegierter Alleinlage oberhalb des Starnberger Sees, zwischen Münsing
und Seeshaupt, umgeben von über 50 Hektar Wald und Wiesen. Freier Blick auf den See und die Alpenkette – mit 100 Prozent Bioküche,
elektrosmogfreien Zimmern und Green Wellness im Vitalzentrum mit Ayurveda und Antistressmassage u.v.m. Tipp: Lazy Monday,
ein Tag Day Spa für 79 Euro inkl. Bademantel, -schlappen, -tuch, Nutzung des Relaxbereichs mit Sauna etc., Wellnesstees und einer
Behandlung im Vitalzentrum nach Wahl u.v.m. Zubuchbar: Bio-Geniesser-Menü (vier Gänge) 42 Euro, Bio-Vital Frühstück 22 Euro, Kaffee
und Kuchen sieben Euro.  www.schlossgut.de

InMagazin „Raus aus München“, erschienen am 24.01.2018, Autorin: Susanne Schuster.

 

Berghotel Rehlegg, Ramsau  Bild: Berghotel RehleggHotel Eichenhof Waging  Bild: Hotel Eichenhof Waging

 

 


 

Premiere im Rupertiwinkel: Die ersten Gastronomen mit dem EU Bio-Zertifikat ausgezeichnet

 

Brigitte Sojer
Waging am See. Die starke Nachfrage der Haushalte an Bio-Produkten hat dazu geführt, dass mittlerweile über fünf Prozent der angebotenen Lebensmittel in Deutschland aus ökologischer Erzeugung stammen. Besonders junge Privathaushalte zeigen sich sehr „bioaffin“, aber auch immer mehr Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie kaufen regelmäßig ökologisch erzeugte Lebensmittel ein und bewerben ihr Bio-Angebot.

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Wer aber seine Lebensmittel nicht nur in Bio kauft, sondern als Bioprodukt auch bei seinen Gästen bewerben will, der muss überprüfen lassen, ob seine Produkte den Auflagen für die ökologische Erzeugung entsprechen, also z.B. das EU-Biosiegel tragen, und ob die eingekaufte Biomenge mit der verkauften Biomenge übereinstimmt. Für Betriebe, die Bio-Produkte nicht abgepackt, sondern offen einsetzen und die Bio-Herkunft auf der Speisekarte, auf einer Tafel im Speisesaal oder auf der Internetseite des Unternehmens bewerben, ist deshalb eine Teilnahme am Bio-Kontrollverfahren erforderlich.
Diesem zukunftsträchtigen Trend stellen sich mehrere Gastronomen aus der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel, die gemeinsam wohl eine der ersten Bio-Zertifizierungen im Rupertiwinkel erhalten haben: das Strandkurhaus Waging, das Hotel Eichenhof und das Hotel Gut Edermann in Teisendorf. Im Catering-Bereich wurde letztes Jahr das Landhaus Tanner und jüngst Yvonne Liebl von der „Esspedition“ aus Waging mit dem EU-Bio-Siegel ausgezeichnet. Auch das Hotel Rehlegg in der Ramsau, seit mehreren Jahren Vorreiter im Einkauf regionaler und nachhaltig erzeugter Waren, hat sich der Bioteilzertifizierung in diesem Kreis angeschlossen.
Martin Hoffmann, Geschäftsführer der Kontrollstelle ÖkoP – eine der 17 staatlich zugelassenen Öko-Kontrollstellen in Deutschland -, überreichte den Gastwirten nach einer ausführlichen Betriebsbesichtigung und Besprechung mit der Küchenleitung zu Bioeinkauf, Lagerung und Biospeisenangebot ihr Zertifikat. „Diese Auszeichnung zeigt Ihren Gästen, dass Sie auf beste Qualität mit regionaltypischer Küche und heimischen Produkten setzen“, lobte Hoffmann bei der Urkundenübergabe. Die Nutzer des EU-Bio-Siegels werden mindestens einmal jährlich kontrolliert und ca. jeder fünfte Besuch erfolgt unangemeldet. Hoffmann wies darauf hin, dass ein Gastwirt oder Händler so viele Bio-Produkte anbieten kann wie er möchte, solang sie abgepackt weiterverkauft werden. Erst wenn sie offen weiterverkauft werden und nur dann, wenn mit Bio beim Gast auch geworben wird, sei eine Kontrolle notwendig. Bio sei ein geschützter Begriff, bei dem der Gast einfach und schnell Klarheit darüber haben müsse, „wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin“. Wie bei jedem Qualitätssiegel im Lebensmittelbereich gebe es deshalb ein Kontrollsystem, das Transparenz und Vertrauen beim Kunden sicherstelle. Die Kontrollstelle versteht sich auch als fachkundiger Ansprechpartner für alle Fragen der Gastwirte rund um das Thema.
Bürgermeister Herbert Häusl begrüßte die Auszeichnung der Gastronomen mit dem Prädikat „biozertifiziert“. Die Ökomodellregion sei zu Beginn aus dem kommunalen Seenbündnis hervorgegangen, es sei deshalb ein wichtiges Ziel, die Biolandwirtschaft in der Region zu stärken und dadurch die Einträge von Phosphor in Gewässer langfristig zu verringern. Die Biozertifizierung der beteiligten Gastronomen sei ein wichtiges Signal für Landwirte, regionale Kreisläufe wiederzubeleben und die Nachfrage nach Biolebensmitteln zu stärken. Dies trage zu einem gesicherten Einkommen für die Landwirte und zu einer nachhaltigen Produktion bei. Strandkurhauschef Andreas Barmbichler, der den Anstoß zur gemeinsamen Zertifizierung gegeben hatte, verspricht sich durch das einheitliche Siegel eine bessere Vermarktungsinitiative: „Wir wollen Bioprodukte aus der Ökomodellregion einsetzen, denn regionale Produkte schaffen Identität und machen gleichzeitig die Region als touristisches Ziel noch interessanter. Viele Gäste sind inzwischen gut informiert und erkundigen sich auch nach dem Biosiegel. Unsere Biozertifizierung kann auch eine Chance für gemeinsame Aktionen wie Biogenusswochen sein“. Für Michael Stöberl vom Gut Edermann in Teisendorf ist die gemeinsame Zusammenarbeit der erste große Schritt für den Aufbau eines Netzwerkes: „Mit der Gemeinschaftsaktion wollen wir die Verwendung regional erzeugter Bio Produkte voranbringen. Von einer engen Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und heimischen Erzeugern profitiert schließlich die gesamte Region und Bio ist inzwischen in gut geführten Hotels auch ein Qualitätsmerkmal“. Klaus Lebek, Inhaber des Eichenhofs, ist es unter anderem auch wichtig, dass das Wort „Bio“ auf der Speisekarte jetzt ausgelobt werden darf: „Das ist gut für die Gäste, weil es bedeutet, dass man sich bei Bio-Lebensmitteln darauf verlassen kann, dass wirklich Bio drin ist.“
Das EU-Bio-Label, mit einem Blatt aus weißen Sternen auf grünem Grund, ist seit 2010 das Standardsiegel für Bio-Produkte und genießt in Deutschland großes Vertrauen. Das eigentlich abgelöste „deutsche Bio-Siegel“ mit sechs Ecken wird aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads von den Herstellern parallel verwendet. Das EU-Bio-Siegel hat zum Ziel, die biologische Landwirtschaft über klar definierte Regeln zu fördern. Ein Lebensmittel darf nur dann „bio“ oder „öko“ genannt werden, wenn es folgenden Kriterien entspricht: Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und leicht lösliche mineralische Düngemittel, höchstzulässige Anzahl von Tieren pro Hektar, artgerechte Haltungsformen, biologische Futtermittel und möglichst geschlossene Betriebskreisläufe, Verbot von Antibiotika zu anderen als medizinischen Zwecken, Verbot von Gentechnik. Auch in der Verarbeitung gibt es Regeln, so sind z.B. nur ca. 15% der sonst gebräuchlichen mehr als 300 Zusatzstoffe in der Verarbeitung von Biolebensmitteln grundsätzlich erlaubt. Viele Bioverarbeiter orientieren sich an möglichst handwerklichen Verarbeitungsgrundsätzen.
Marlene Berger-Stöckl von der Ökomodellregion sieht in der Zusammenarbeit führender Gastronomen einen wichtigen Schritt in Richtung einer Biogenussregion. Für deren Ausgestaltung hat die TI Waging mit Unterstützung des Tourismusverbands Berchtesgadener Land heuer in einem gemeinsamen Konzept Chancen aufgezeigt. In der Handhabung habe sich das Zertifizierungssystem für die Gastronomie inzwischen so weiterentwickelt, „dass für jeden Gastwirt, der gern Bio im Speiseangebot ausloben möchte, eine einfache Möglichkeit für die Umsetzung besteht“, so Berger-Stöckl. Diese Flexibilität ermögliche es beispielsweise, nur bestimmte Warengruppen in Bio einzukaufen, z.B. Trockenwaren oder Getränke, ein Frühstücksbuffet mit Biowaren und regionalen Waren einfach durch kleine Täfelchen zu kennzeichnen oder anstelle eines vollständigen Biogerichtes Gerichte mit Biobeilage einzubeziehen – so sei für jeden interessierten Gasthof etwas Passendes dabei, und die Kontrolle bleibe unkompliziert und kostengünstig. Sie freue sich darauf, dass viele Gäste auf dieses neue Angebot aufmerksam gemacht werden.
Brigitte Sojer, erschienen in der SOR vom 23.12.2017

 

 

Künftig als bio-zertifizierter Betrieb ausgezeichnet. von links: ÖkoP Geschäftsführer Martin Hoffmann, Strandkurhauschef Andreas Barmbichler, Direktor Michael Stöberl vom Gut Edermann, 1. Bürgermeister Herbert Häusl und Hotelchef Klaus Lebek vom Eichenhof Foto: Gitti Sojer


 

Genusswochen Waginger See – Auftaktveranstaltung beim Bauern z´Hof
Kirchanschöring. Wer seinen Gästen Produkte aus nächster Nähe, von Frische und bester Qualität gekennzeichnet, vorweisen kann, hat einen gewissen Wettbewerbsvorteil.

Und genau diesen Wettbewerbsvorteil versucht die Ferienregion „Waginger See“ herauszustreichen. Dazu leisten die „Waginger See-Genusswochen“, die am Sonntag, den 10. September, losgehen, einen nicht unerheblichen Beitrag. Ihren Abschluss finden die Wochen mit der musikalisch umrahmten „Schmankerl-Meile“, die am 8. Oktober wieder in Verbindung mit dem Waginger Bauern- und Handwerkermarkt über die Bühne geht.

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Während dieser Zeit präsentieren die Genusswochen die Region und ihre einzigartigen Schmankerl in vielfältigster Weise. Da wird das umfangreiche Angebot regionaler Lebensmittel mit der heimischen Kochkunst vereint, in der sich die landestypische Linie widerspiegelt. Zudem bieten sich entspannte Erlebnismöglichkeiten in der herrlichen und frühherbstlichen Landschaft an, die von der Radtour bis zur Kräuter-, Moor- oder Pilzwanderung und von Kochkursen, über Hof-, Hofladen- und Schnapsbrennerei-Besichtigungen bis hin zu gemütlichen kulinarischen Spaziergängen zu den schönsten Plätzchen zum Verweilen führen.

 

 

Vor allem aber will man Genießer mit schmackhaften Kreationen der klassischen Küche und der zeitgemäßen, gesunden Vitalküche verwöhnen. Und das, was die zahlreichen Erzeuger an Kostproben oder die sechs Genusswochen-Wirte offerieren, regt schon beim Lesen und Durchblättern der eigens für dieses Event aufgelegten und in der Tourist-Info ausliegenden Broschüre „Waginger See-Genusswochen“ den Appetit an. So etwa das „Rosa Reh aus Martl’s Jagd mit Nuss, Trauben, Spitzkraut und Breznknödl“. In diesem kostenlos erhältlichen Heft sind zum einen die teilnehmenden Gastronomie-Betriebe mit all ihren regionalen Lieferanten samt deren Produkte gelistet und zum anderen enthält es das begleitende und zugkräftige Aktionsprogramm, das Genuss und Erlebnis verbindet, mit Datum, Uhrzeit, Veranstaltungsort und allen Anmeldeformalitäten.
Im Rahmen einer festlichen Auftaktveranstaltung machte die Waginger Touristinfo-Leiterin Eva Gruber beim „Bauern z’Hof“ geladene Gäste mit den Einzelheiten des Programmablaufs vertraut. Genauer gesagt, unter den Kastanienbäumen seines Rupertiwinkler Bauernhofmuseums. Dieses Ziel wählte Eva Gruber explizit, um so zu testen, ob sich diese sehenswerte Rarität auch für eine unverwechselbare Erlebnis-Geschichte in authentischer Umgebung eignet, die die Besonderheiten der von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft im Herzen des Rupertiwinkels herausstreicht und erlebbar macht. Denn dort können Urlauber wie Einheimische viel über das frühere bäuerliche Leben der Gegend erfahren und die Vergangenheit emotional erleben. Zudem führt der Museums-Stadel in einer wissenschaftlichen Ausstellung durch den Getreide-Zyklus, der vom Anbau bis zum Dreschen reicht. Hier erfährt man auch vom Comeback einer fast in Vergessenheit geratenen uralten Getreidesorte: dem „Laufener Landweizen“.
Das ist eine regionale Weizensorte aus dem bayerisch-österreichischen Grenzgebiet des Rupertiwinkels und des westlichen Flachgaus, wo er vor gut zwanzig Jahren wiederentdeckt wurde. Aktuell erfährt der Landweizen einen deutlichen Aufschwung. Immer mehr Landwirte und Verarbeiter interessieren sich für ihn. Er gilt derzeit als die einzige bekannte Landweizensorte der Region und soll nun im Rahmen eines Projekts als Marke bekannt gemacht und etabliert werden.
Immer wieder wird das Anwesen z’ Hof auch zum Klassenzimmer, wo Schüler alles Wissenswerte über das Getreide erfahren und gemeinsam mit dem Hausherrn, Franz Huber, wie einst säen, ernten und in seinem alten Steinbackofen selber Brot backen dürfen. Bei dieser Auftaktveranstaltung buk nun aber ein Bäckermeister das Brot und zwar ganz in alter, liebevoller Manier und Handarbeit: der Bio-Verarbeiter der Ökomodellregion aus Saaldorf-Surheim, Michael Wahlich.
Von ihm ließen sich auch der stellvertretende Landrat, Sepp Konhäuser; Wagings Bürgermeister Herbert Häusl, seine Tachinger Amtskollegin, Ursula Haas; die Leiterin der Tourist-Info Kirchanschöring, Sieglinde Gaugler; die Projektmanagerin der Ökomodellregion, Marlene Berger-Stöckl, und viele Interessierte in die Kunst des Brotbackens einweisen.
Wahlich, der in seiner Bäckerei auch Mehl des Laufener Landweizens verarbeitet, bezieht all sein Mehl aus gentechnikfreiem Bio-Getreide von Demeter-Landwirten aus der Ökomodell-Region. Mit Wasser und Steinsalz hatte er ein reines Roggen-Vollkornmehl zu einem Natur-Sauerteig angesetzt. In der Backstube von Franz Huber wurde schnell klar, dass es mit dem „richtigen“ Mehl nicht getan ist, sondern neben ganz präzisen Mengenangaben auch Gär-, Geh- und Ruhezeiten eine wichtige Rolle spielen. Es ging also nicht um Brotbacken für Anfänger oder um eine möglichst einfache Variante, die nur so ungefähr in Richtung eines guten Produktes geht, sondern um ein gutes Ergebnis ohne chemische Hilfsmittel, die für Wahlich völlig tabu sind. Man könne alles ohne Zusatzstoffe backen, obwohl es mit natürlich leichter gehe. Da sein Teig keine Zusatzstoffe enthalte, sei das Brot lange frisch, vorausgesetzt man lagere es richtig, ließ er wissen, ehe er die Gärkörbe mit Mehl bestäubte, in die die großen und kleinen „Bäcker-Gehilfen“ ihre händisch geformten, rund ein Kilo schweren Laibe setzten, um sie darin eine weitere halbe Stunde gehen zu lassen.
Zuvor hatte Hausherr Franz Huber den alten Steinbackofen mit dürrem Fichtenholz rechtzeitig angeheizt, wo es dann knackend und rotglühend gut zwei Stunden lang brannte, damit sich Sohle und Gewölbe richtig aufheizen. Als die Ofenwand heiß genug war, zog er Glut und Asche ab und säuberte mit einem nassen Strohbesen die Backfläche. Nach einer kurzen Wartezeit konnte Huber die vorgeformten Teiglinge einschießen, um diese nach einer Stunde wieder herauszuholen. Bäckermeister Wahlich prüfte klopfend den Garzustand. „Es klingt hohl, also ist das Brot gar.“ Am besten schmecke es erst einen Tag später, wenn die Röstaromen an der Kruste auch ins Innere des Laibs gedrungen seien.

„Mit der Anschnittfläche nach unten auf ein Brett gelegt und mit einem Leinentuch abgedeckt, bleibt es lange frisch.“ Dass keine Spritzgifte beim Wachsen seiner verwendeten Getreidesorten eingesetzt werden, ist Bäckermeister Wahlich sehr wichtig: „Die könnten nämlich ins Brot gelangen.“ Als Biobäcker nehme er auch keine Fertigmischungen her. „Bio bedeutet ein besseres Lebensgefühl“, weil man durch die Verwendung von Bioprodukten auch die natürlichen Kreisläufe unterstütze. Seine Backwaren seien nicht austauschbar. Zudem gebe es einen geschmacklichen Unterschied zu konventionell hergestelltem Brot. „Unsere Rohstoffe kommen weitestgehend von Kleinbauern aus der Region.“ Mit dem Kauf von Bio-Produkten fördere der Konsument zudem die Artenvielfalt, „was wiederum den Bienen und Wildbienen zugutekommt.“
Bio und regional haben auch für die Gesundheitstrainerin Yvonne Liebl einen hohen Stellenwert. Seit vielen Jahren kocht sie mit größter Leidenschaft überwiegend vegetarisch. Ursprung und Erzeugung spielen für sie ebenso eine wichtige Rolle wie Verarbeitung und Zubereitung der Speisen. Liebls kulinarischer Beitrag beim Bauern z’ Hof bestand nun aus einem sorgsam zubereiteten kalten Buffet, mit hausgemachten Brotaufstrichen und Salaten von ausgewählten Getreidesorten. Zum Zubereiten der Speisen hatte sie fast nur Zutaten verwendet, die aus ihrer neuen Bio-Genuss-Kiste der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel stammten. Die ganze Angebotsvielfalt der Kiste dürfen die Teilnehmer der beiden unter dem Motto stehenden Kochkurse „Bio-regional Querbeet“, die Liebl im Zuge der Genusswochen bietet, auch näher kennenlernen.
An den ungespritzten Wiesen- und Waldrändern von Hof wachsen beste Kräuter. „Man muss nur wissen, welche genießbar sind.“ Auf einem Ausflug zeigte Kräuterexpertin Geli Egger, wie sie aussehen und schmecken, und welche heilende Wirkung sie entfalten, ehe sie in den Körben der Sammler landeten. Die entdeckten mit Spitzwegerich, Löwenzahn, Schafgarbe, Labkraut, Hornklee, Gundermann, Rotklee und so weiter die Reichhaltigkeit der heimischen Flora. Nach der einstündigen Wanderung hätte die selbstgemachte Kräuterbutter nicht besser schmecken können, die Geli Egger aus den Wildkräutern zubereitet hatte. Mit dieser Butter, den Schmankerln von Liebls Buffet, dem frischen Brot und den von der Ökomodellregion-Projektbetreuerin, Jessica Linner, frisch gegrillten Steckerlfischen verwöhnten die Gastgeber nämlich abschließend ihre Gäste bei einem Mittagessen am Bauernhofmuseum. So entstand bei einer „Waginger See Hoibe“ ein erster Eindruck, was den Freunden guter, regionaler Küche bei den mittlerweile zum sechsten Mal stattfindenden „Waginger Genusswochen“ ab dem 10. September so geboten wird. Der erste Eindruck, den der Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus, Stefan Semmelmayr, gewann, war jedenfalls schon mal sehr gut.

 

 

Auftakt Genusswochen, Brot backen mit Bio-Bäcker Michael Wahlich Foto: Anneliese CarusoAm Wegesrand entdecken die Teilnehmer auf der von Kräuterexpertin Geli Egger (Dritte von links) organisierten Kräuterwanderung die Schätze der Natur. Egger erläuterte dabei die Besonderheiten und die Bedeutung der verschiedenen Wildkräuter (Foto: Anneliese Caruso).

Erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom 29.08.2017; Anneliese Caruso

 


 

Kulinarische Reise durch die Ökomodellregion
Info-Radtour zwischen Fridolfing und Tittmoning zeigte die Angebotsvielfalt von Bio-Produkten aus der Region auf
Mit großen Engagement haben die Verantwortlichen der Tourist-Info Waginger See in Zusammenarbeit mit der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel in den letzten Monaten ein zukunftsfähiges Tourismuskonzept ausgearbeitet (wir berichteten). Teile daraus bilden die Grundlage, mit dem sich die Region an einem Wettbewerb des Bayerischen Umweltministeriums beteiligt. Dieses will in einem Pilotprojekt drei Gemeinden als Naturtourismus –Region entwickeln und fördern. Die Gewinner werden am 5. Juli bekannt gegeben.

 

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Dass die Chancen für die Entwicklung des sanften Naturtourismus und der damit verbundenen regionalen Wertschöpfung um den Waginger See recht gut stehen, hat bereits die enge Vernetzung unterschiedlicher Akteure in der Ökomodellregion deutlich gemacht. Einen praxisnahen Einblick in die Vielfalt der bestehenden Produkte und Angebote gab jetzt eine kulinarische Info-Radltour der Waginger Tourist-Info zu Hofläden und -cafés, Direktvermarktern und Bio-Betrieben zwischen Fridolfing und Tittmoning. Die knapp 30 Teilnehmer, darunter Behördenleiter, Bürgermeister, Vermieter, Firmenangehörige, Touristiker und Einheimische, erfuhren dabei nicht nur viel über alte Zuchtrassen, Stallhaltung und Getreidesorten, sondern auch über die Artenvielfalt in Streuobstwiesen, die ideenreiche Vermarktung von Hofcafés  oder das Netzwerken beim Getreideanbau für Bio-Bier aus der Region.

 

Von wilden Zeiten als „Öko-Rebell“ erzählen konnte Hans Glück aus Grassach bei Tittmon-ing. Vor rund 35 Jahren begann er als einer der ersten Landwirte der Region mit der Umstel-lung auf biologische Landwirtschaft. War das damals noch eine Art „Kriegserklärung“ für die umliegenden Bauern, so liegt „Bio“ heute im Trend. In seinem Hofladen vermarktet Glück Getreideprodukte und Gemüse von eigenen Feldern sowie Fleisch von selbstgezogenen robusten Haustierrassen. Ein Blick in den Stall zeigte den Teilnehmern der Tour, wie eine artgerechte Aufzucht von Schweinen, Rindern, Schafen und Hühnern aussehen kann. Bei einem üppigen Frühstück demonstrierten Glück und seine Lebensgefährtin Jutta, wie vielseitig bereits jetzt das Angebot an ökologisch produzierten Getreideprodukten, Ölen, Gemüsen, Obst und Milchprodukten aus der Region ist und wie leicht sich auch für Gastgeber ein Frühstück in Bio-Qualität zubereiten lässt.

 

Die Zusammenhänge zwischen einer nur zweimal im Jahr gemähten Streuobstwiese mit verschiedenen Obstbäumen und Hecken und der sich einstellenden Artenvielfalt an Pflanzen, Insekten und Vögeln sowie eigenen Erfahrungen als Jungimkerin erläuterte Kathrin Geiger in ihrer „Lines Manufaktur“ nördlich von Tittmoning. Sie produziert Marmeladen und Sirups aus eigenem Obst, Beeren und Kräutern.

 

Von der Kunst des Bio-Gerstenanbaus für eine regionale Brauerei berichtete Bio-Bauer Andreas Maier aus Waldering. Um die erforderliche hohe Qualität zu erreichen, sei viel Knowhow erforderlich. Lohnend zur Zweitverwertung sei die Kombination etwa mit Senfsaaten zur Produktion der scharfen Delikatesse, die er zusätzlich auf seinem Hofladen vermarkte. Vom Vertriebsleiter der Brauerei wiederum war zu erfahren, wie die Zusammenarbeit mit Bio-Bauern und einer Trostberger Mühle der regionalen Wertschöpfung zugute kommt.

 

Die Stalltüren seines Bio-Mastbetriebs für Geflügel und Schweine öffnete Sebastian Ketten-berger aus Kettenberg für die Teilnehmer. Die im Vergleich zur konventionellen Haltung län-gere Aufzucht ohne Medikamente erfordere viel Knowhow, werde aber durch die Haltung in Kleingruppen erleichert, berichtete er. Ergänzend baut der Jungbauer auch Gemüse an und hält Rinder.  Er vermarktet über einen Stand am Bauernmarkt in Tittmoning und den Verkauf ab Hof.

 

Wie sich unter anderem mit Eis vom Bauernhof das nur am Wochenende geöffnete Hofcafé Mühlradl in Mühlham zu einem Renner auch bei Busreisenden entwickelt hat, erzählte Bio-Bäuerin Roswitha Leitner den Teilnehmern der Hofladen-Radtour. Mit kulinarischen Höhepunkten, die die Wagingerin Yvonne Liebl aus Bio-Zutaten der Region zubereitet hatte sowie speziell zubereitetem Gewürzkaffee klang die erlebnisreiche Radtour im familiengerecht ausgebauten Biergarten des Hofcafés mit Almhütte und Wasserreifenrutsche aus.

 

Nähere Infos zu weiteren Biohof-Erlebnisradtouren um den Waginger See mit Regina Faltermeier bzw. Kochkursen mit Yvonne Liebl gibt es bei der Tourist-Info Waging am See unter Tel. 08681-313 oder www.waginger-see.de/genuss.

 

Artikel: Axel Effner, 15.06.2017, SOR

 

Hier können Sie den Artikel mit Foto herunterladen:

15.06.2017: Kulinarische Reise durch die Ökomodellregion, aus: Südostbayerische Rundschau, Axel Effner (PDF)

 

 

Über das vielseitige Angebot regional erzeugter Produkte informierte der ehemalige „Öko-Rebell“ Hans Glück mit Lebensgefährtin Jutta die Teilnehmer einer Info-Radltour zu Hofläden und Direktvermarktern aus der Region. Foto: Richard Scheuerecker, TI WagingDirektvermarkterin Kathrin Geiger erläutert auf der Streuobstwiese mit Obstbäumen in Schlichten bei Tittmoning den Zusammenhang zwischen Mähzyklen und Artenvielfalt. Bio-Bauer Andreas Maier aus Waldering erklärt am Feld die besonderen Anbaubedingungen für regional vermarktete Bio-Braugerste. Foto: Axel EffnerDer Betrieb Kettenberger trägt zum Erhalt der fast ausgestorbenen „schwarzen Alpensau“, einer historischen Rasse, bei. Foto: Axel Effner Ein familiengerechter und stimmungsvoller Biergarten mit Almhütte, Wasserreifenrutsche und Kinderspieleinrichtungen ergänzt das Hofcafé Mühlradl in Mühlham als letzte Station der Info-Radltour zu Direktvermarktern der Region. Foto: Axel Effner


 

Erster Biotag in der Ökomodellregion

Bei Bilderbuchwetter und hochsommerlichen Temperaturen fand Ende Mai der erste Biotag in der Ökomodellregion Waginger See- Rupertiwinkel statt. Ziel war es laut Eva Gruber, kulinarische Genüsse aus der Ökomodellregion Einheimischen, Vermietern und künftig vor allem den Gästen nahezubringen: „Wir konnten hinter den Kulissen sehen, mit welcher Überzeugung und Leidenschaft diese Produkte erzeugt werden. Die Biolandwirtschaft ist ein wichtiges Standbein für den Landschaftserhalt und für den Ausbau des sanften Tourismus in der Ökomodellregion,“ so Eva Gruber, Leiterin der TI Waging.

 

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Biofrühstück auf dem Hof Glück
Auf dem Hof von Hans Glück und Jutta Staudt-Franzen stand zum Start ein Biofrühstück bereit, das keine Wünsche an die Produktpalette unerfüllt ließ – vom Bio-Freilandei bis zum Biojoghurt der Milchwerke Berchtesgadener Land, vom Barnhouse Granola-Müsli mit Biohafer bis zum Biobrot und zuckerarmer Marmelade, fast alle Produkte stammten direkt aus der Ökomodellregion. Neben Bürgermeister Herbert Häusl aus Waging stimmte Konrad Schupfner, Bürgermeister der Gemeinde Tittmoning, die Teilnehmer auf den Tag und das Programm ein und erläuterte die touristischen Ziele der Ökomodellregion. Landwirt Hans Glück schaute zurück auf die Entwicklung seines Hofs von den bewegten Anfängen bei der Umstellung auf ökologischen Anbau bis zum wirtschaftlich stabilen Betrieb samt Mutterkuh- und Schweinehaltung, Feldgemüse und Aufbau des Hofladens – eine heutzutage ungewöhnliche Leistung bei nur 20 ha eigenem Land, einer Größe, bei der sehr viele Betriebe als Vollerwerbsbetrieb nicht mehr existieren können.

 

Höferadltour rund um Tittmoning
Strahlend blaue Kornblumen und roter Mohn leuchteten aus dem Feld mit Laufener Landweizen, einer historischen Rupertiwinkler Kultursorte, die Hans Glück heuer zum ersten Mal anbaut – das war der Auftakt zur anschließenden Höferadltour, bei der Bürgermeister Bernhard Kern aus Saaldorf-Surheim, später 2. Bürgermeister Egon Kraus aus Fridolfing und Alfons Leitenbacher vom AELF Traunstein ihre Kollegen aus dem Vorstand im sportlichen Teil vertraten. Zunächst ging es über die Tittmoninger Burg bergab und bergauf nach Schlichten oberhalb des Salzachtals. Kathrin Geiger von „Lines Manufaktur“ verarbeitet dort die Überschüsse ihrer 50 Streuobsthochstämme zu Sirup und zu abwechslungsreichen Fruchtaufstrichen, die sie auf Märkten und ab Hof verkauft. Über 140 Pflanzenarten finden sich allein auf ihrer Streuobstwiese – es wird deutlich, wie wichtig diese mehrstöckige uralte Nutzungsart auch für die heimische Artenvielfalt ist.

 

Sonnenblumenöl, Biobier und Freilandgeflügel
Tourenleiterin Regina Faltermeier führte anschließend zum Biohof Kraller in der Wies, wo die ersten Sonnenblumen aus dem Feld spitzten, die im Herbst zu unraffiniertem Sonnenblumenöl gepresst werden, und zum Hof von Andreas Maier in Waldering. Familie Maier ist an mehreren Anbauprojekten der Ökomodellregion aktiv beteiligt – vom Anbau von Dinkel und Hafer für´s Barnhouse-Müsli über den Anbau von Speisesenf für Byodo, beides Biofirmen mit Sitz in Mühldorf, bis zur Kooperation mit der Brauerei Stein, die aus der Biobraugerste von einem Dutzend Landwirten u.a. die „Waginger See Hoibe“ herstellt. Die Aufforderung zur Bierverkostung auf den schattigen Bänken vor dem Hofladen ließen sich die Teilnehmer nicht zweimal sagen. Christian Eder von der Brauerei Stein erläuterte den speziellen Herstellungsprozess für die alkoholfreie Variante, bei der der Gärprozess frühzeitig gestoppt wird, anstatt den Alkohol später herauszufiltern – mit bestem Brauergebnis.

 

Danach wurde es radltechnisch etwas anspruchsvoller – der Biogeflügelbetrieb von Sebastian Kettenberger liegt, wie der Name schon sagt, in hügeligem Gelände auf der Westseite Tittmonings, aber die Vielfalt, Schönheit und Lebhaftigkeit des in Freigehegen gehaltenen Viehs, Perlhuhn, schwarze Weideputen oder die Nachzucht der seltenen schwarzen Alpensau, lohnten den Einsatz. Familie Kettenberger vermarktet vorwiegend auf Märkten und produziert Fleisch, bei dem die Tiere so natürlich wie möglich gehalten und möglichst stressfrei geschlachtet werden.

 

Ausklang im Hofcafe
Der Tag klang im idyllischen Garten des Hofcafes Mühlradl in Mühlham aus. Seit 1993 führt Familie Leitner ihren landwirtschaftlichen Betrieb nach Biorichtlinien. Der Einstieg in die Eisherstellung aus hofeigener Milch und Sahne ebnete für Roswitha Leitner den Weg zum Aufbau des Hofcafes. Höhepunkt und Abschluss des Tages war das Biobuffet, das Ernährungsberaterin Yvonne Liebl mit Zutaten aus der Ökomodellregion dort hergerichtet hatte, ergänzt durch den Grill von Familie Leitner: vom Kohlrabi-Carpaccio bis zum Beluga-Linsensalat, vom gegrillten Gemüsepäckchen mit Ziegenkäse bis zum Putenfruchtspieß vom Betrieb Kettenberger, vom Baguette aus Laufener Landweizen, hergestellt von Flaschlbrot-Unternehmerin Jessica Linner, bis zur bayerischen Creme, begleitet vom feinen Cajima-Gewürzkaffee aus der Manufaktur von Gerlinde Hohenadl aus Waging. Leicht und frisch, bodenständig und natürlich, aber mit viel Fingerspitzengefühl und Gespür für passende Kombinationen gewürzt und verarbeitet – so lässt sich die Küche von Yvonne Liebl auf den Punkt bringen.

 

„Anfangs musste mich meine Freundin zum Mitkommen auf dem Biotag überreden“, kommentierte ein Teilnehmer aus Kastl zum Abschluss der Tour, „aber jetzt sehe ich das Thema mit neuen Augen. Wenn man weiß, wer hinter dem Bioangebot aus der Region steht und wie artgerecht und landschaftsschonend gewirtschaftet wird, sieht man diese Leistung und den Aufwand dahinter mit großem Respekt“.

 

Die TI Waging hofft jetzt auf viele „Nachahmungstäter“ – vom Biofrühstück bei Gastgebern bis zum Einkaufen auf dem Biohof und einer Weiterempfehlung der Hofradltour! Nachfragen zur Biohöfetour und zu den angebotenen Terminen können jederzeit an die TI Waging gestellt werden.

 

Hier können Sie den Artikel mit Fotos herunterladen:

01.06.2017: Eindrücke vom Biotag in der Ökomodellregion mit Fotos (PDF)

 

Bericht über den Biotag im Regionalfernsehen:

http://www.rfo.de/mediathek/65388/Genusstour_durch_Ouml_komodellregion.html

 

Links zu den Fotos (Fotograf: Richard Scheuerecker):

Teil 1 https://we.tl/wUS0Cg8Otn

Teil 2 https://we.tl/Et6sZXcvBm

 

 

Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker Bio-Tag 2017 - Foto: © Tourist-Info Waginger See / R. Scheuerecker

 


 

Ökomodellregion hat sich ein Tourismuskonzept erarbeitet

18 von 53 Projekten kamen in engere Wahl – Grundlage für eine Bewerbung um Naturtourismus-Region

Anstrengende Wochen liegen hinter den Verantwortlichen der Waginger Tourist-Info und der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. In weniger als drei Monaten haben sie zusammen mit touristischen Fachleuten aus den zwei Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sowie interessierten Bürgern unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider ein Tourismuskonzept erstellt.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

 

02.05.2017: Tourismuskonzept für die Ökomodellregion, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder

 


 

Urlaub in einer ganz besonderen Landschaft

 

Für manchen ist es ein Katalog, ein Sammelsurium an Ideen und Vorschlägen. Für andere ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einem Tourismuskonzept für die Ökomodellregion Waginger See / Rupertiwinkel (ÖMR). 50 mögliche Projekte und Einzelmaßnahmen listete Professor Dr. Ulrike Pröbstl-Haider im Pettinger Gasthaus Riedler auf 99 Seiten auf. „Fast alles davon kommt aus Ihren Reihen“, hielt sie den kritischen Stimmen aus den Reihen von Bürgermeistern, Tourismusmanagern und Geschäftsleitern entgegen. Am Ende durfte jeder insgesamt zehn Stimmen in vier Kategorien vergeben. Die Favoriten unter den Vorschlägen: Eine Bier-Radltour, Bio in der Gastronomie, qualifizierte Kulturlandschaftsführer und Landschaft im Wandel.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

 

06.04.2017: Urlaub in einer ganz besonderen Landschaft, aus: Südostbayerische Rundschau, Hannes Höfer (PDF)

 

Das Tourismuskonzept können Sie hier herunterladen: Tourismuskonzeption der Ökomodellregion (PDF)

 

Impressionen (Fotos: Hannes Höfer)

 

Tafel  - Foto: Hannes Höfer

 


 

Tourismus fördern mit Naturerlebnissen Landschaft und regionale Produkte als Chance – Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel lässt Konzept erstellen

Das Zusammenspiel von Naturerlebnis und Kulturlandschaft spielt im touristischen Angebot am Waginger See schon immer eine wichtige Rolle. Mit der Ökomodellregion kam das Ziel dazu, mehr Bioprodukte in der Region zu erzeugen und zu vermarkten. Durch die Verbindung zu Direktvermarktern und Bioprodukten aus der Region ergeben sich touristische Chancen, die für Einheimische wie für Gäste stärker erschlossen werden soll. Um passende Angebote in Richtung einer Genussregion zu entwickeln und die Ökomodellregion für den Gast erkennbar und erlebbar zu machen, finden am heutigen Montag und morgen, Dienstag, in der Tourist-Info in Waging vier Workshops statt. Auftakt dazu war eine Veranstaltung im Gasthaus „Alpenblick“ in Weibhausen, bei dem Prof. Dr. Ulrike Pröbstl-Haider aus Polling im Landkreis Weilheim ihre Vorstellungen skizzierte und zur Mitarbeit aufrief.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

20.02.2017: Tourismus fördern mit Naturerlebnissen, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 

Hier können Sie die Einladung für die Abschlusstermine zum Tourismuskonzept herunterladen:

Einladungsschreiben Abschlusstermine Tourismuskonzept (PDF)

 


 

Naturtourismus als Schwerpunkt der Ökomodellregion

Die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel will ein Konzept für ein touristisches Profil entwickeln – mit Schwerpunkt auf naturnahem Tourismus. Neben der ökologischen Zielsetzung in Sachen Landwirtschaft war es von Anfang an ein zweiter wichtiger Punkt der Ökomodellregion gewesen, auch den Tourismus zu fördern. Nun ist es gelungen, mit Unterstützung der Leader-Region Traun-Alz-Salzach eine Förderung von 12000 Euro für dieses rund 28000 Euro teure Konzept zu bekommen.

 

Aktuelle Pressemitteilung zum Thema

08.02.2017: Naturtourismus – Bürger sollen an Konzept mitarbeiten, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder

23.01.2017: Naturtourismus als Schwerpunkt, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

21.01.2017: Naturtourismus als Schwerpunkt, aus: Traunsteiner Tagblatt, Hans Eder (PDF)

12.12.2016: Tourismuskonzept bewilligt, von Eva Gruber (PDF)

 


 

Antrag für ein gemeinsames Tourismuskonzept zur Ökomodellregion in Vorbereitung

Zum ersten Mal planen alle Mitgliedsgemeinden der Ökomodellregion ein gemeinsames Förderprojekt über die Leaderregion Traun-Alz-Salzachtal,  unter Einbezug der drei neuen Mitgliedsgemeinden im Raum Berchtesgadener Land. Ist das Prädikat „staatlich anerkannte Ökomodellregion“ auch für Erholungssuchende interessant, wie können wir die Modellregion für den Gast erkennbar und erlebbar machen? Wie bringen wir unsere regionalen oder ökologischen Produkte dem Gast genussvoll nahe, auf welchen Angeboten, auch naturtouristischen Angeboten, können wir aufbauen? Wie kann der Gast dazu beitragen, dass bäuerliche Betriebe wie z.B. mit Urlaub auf dem Bauernhof, mit Seminarräumen oder mit Direktvermarktungsangeboten weiter gestärkt werden? Diese Fragen sollen in einem touristischen Konzept beantwortet werden, das durch ein Büro von Januar bis März maßgeschneidert werden soll. Die Förderstelle der Leaderregion Traun-Alz-Salzachtal hat das Konzept mit Schreiben vom 19.12.2016 bewilligt, der Auftrag an ein Fachbüro wird in Kürze vergeben. Die Projektleitung liegt bei der Geschäftsführerin des Tourismusverbands Waging, Eva Gruber, Kooperationspartnerin ist Leader-Managerin Elke Ott und die Gemeinden der Ökomodellregion.

 

Den ganzen Bericht können Sie hier herunterladen:

23.11.2016: Ankündigung Tourismuskonzept (PDF)

 


 

Informationen zum Herunterladen

Geschenkideen aus der Ökomodellregion (PDF)

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