Öko-Modell-Regionen

Projekte / Streuobst und Artenschutz

Bio-Obst – Letzter Annahmetag !!

 

Überreichlich ist sie ausgefallen, die heurige Streuobsternte im Landkreis, ein willkommener Ausgleich nach zuletzt sehr mageren Jahren, wie Gregor Greimel, Inhaber der gleichnamigen Kelterei in Laufen, berichtet. Seit Herbst besteht die Möglichkeit, Bioobst aus den Landkreisen Traunstein oder Berchtesgadener Land an die Kelterei zu liefern. Letzter Annahmetag für Bioobst ist Donnerstag, der 25. Oktober.

Alle Betriebe, deren Streuobstanger biozertifiziert sind – sei es als Biobetrieb, sei es als Teilnehmer an der neuen Biosammelzertifizierung des Landschaftspflegeverbands Traunstein (LPV) -, können daran teilnehmen oder sich für das nächste Jahr beim LPV oder bei der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel vormerken lassen. Auch die Keltereien Stöger in Übersee, Pölz in Garching oder ORO in Rosenheim nehmen Bioobst an. Gemeinsames Ziel des Landkreises Traunstein, des LPV und der Ökomodellregion ist es, vermehrt heimischen Bioapfelsaft zu gewinnen, dadurch die Wertschöpfung für Streuobst zu erhöhen und über den kulinarischen Genuss zum Erhalt dieser artenreichen Lebensräume beizutragen.

 

LPV Traunstein/ Ökomodellregion

erschienen am Samstag, den 20.10.2018 in der SOR (Südostbayerische Rundschau), Autor Hans Eder.

 

 

Förderband in der Kelterei - Foto: LPV Traunstein

 


 

Wirtschaftlicher Nutzen im Einklang mit der Natur
Ökomodellregion und Landschaftspflegeverband starten Biosammelzertifizierung für Streuobstwiesen

Waging/Laufen. Die Öko-Modellregion „Waginger See -Rupertiwinkel“, zu der sich sieben Gemeinden im Kreis Traunstein 2014 zusammengeschlossen haben, hat mit dem Landschaftspflegeverband (LPV) Traunstein erfolgreich ein neues Projekt gestartet: Streuobstwiesen und Obstgärten erhalten jetzt ihre Bio-Sammelzertifizierung. Die drei angrenzenden Gemeinden im benachbarten Berchtesgadener Land, die ebenfalls zur Öko-Modellregion gehören, wollen in den kommenden Jahren nachziehen.

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„Das ist ein schöner Erfolg für die Besitzer der Obstgärten, aber auch für den Ausbau der Bio-Vermarktung, der Wertschöpfung in der Region und für den Erhalt der biologischen Vielfalt“, freuen sich Marlene Berger-Stöckl von der Öko-Modellregion und Jürgen Sandner, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Der LPV kümmert sich um die Abwicklung der Zertifizierung und setzt dabei die guten Erfahrungen des Landschafts-pflegeverbandes Passau um.
In der Öko-Modell-Region, aber auch in den Gemeinden Übersee, Vachendorf, Chieming, Surberg und Ruhpolding gibt es aktuell 13 biozertifizierte Streuobstwiesen mit einer geschätzten Menge von insgesamt 27 Tonnen Früchten.
Die erste Zwischenbilanz ist beachtlich: Insgesamt 546 Bäume wurden erfasst: 333 Apfelbäume, 60 Birnen, 94 Zwetschgen, 14 Süßkirschen, 17 Sauerkirschen, 119 Walnussbäume, 3 Quitten, 3 Aprikosen, 2 Pfirsiche und eine Mährische Eberesche.
Seit 2002 hat der LPV im Kreis Traunstein außerdem über 8000 Hochstamm-Obstbäume gepflanzt; im Gebiet der Öko-Modell-Region waren es auf Traunsteiner Seite 729 seit 2014 und damit überdurchschnittlich viele. Nicht mitgezählt sind Pflanzungen, die nicht über den LPV gefördert wurden, Pflanzungen unter acht Stück, in privaten Gärten oder Pflanzungen in den drei Nachbargemeinden Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen, die ebenfalls zur Öko-Modellregion, aber zum Landkreis Berchtesgadener Land gehören.
Die Bio-Sammelzertifizierung hat noch weitere Vorteile. Nicht jeder einzelne Obstgartenbesitzer muss sich um das Biozertifikat kümmern, die Abwicklung der notwendigen Formalitäten mit der Bio-Kontrollstelle übernimmt der LPV. Mitmachen können Landwirte, die für ihren Betrieb kein Bio-Zertifikat haben, private Eigentümer von Streuobstwiesen, Kirchenstiftungen oder auch Kommunen. Wichtige Kriterien: Die Bäume dürfen in den vergangenen Jahren weder mit Spritzmitteln behandelt noch mit Mineraldünger aufgepeppt worden sein. Für die Streuobstwiesenbesitzer ist die Aktion kostenfrei und das Bio-Zertifikat gilt ab sofort.
Das heißt, Obst von den zertifizierten Obstgärten und Streuobstwiesen kann bereits heuer zum Preis für Bio-Obst an die Keltereien vermarktet werden. Der liegt heuer bei 20 Euro für den Doppelzentner Äpfel. Für Äpfel ohne Bio-Zertifikat gibt es voraussichtlich nur 12 Euro für den Doppelzentner und für den Doppelzentner Birnen rund 10 Euro, taxiert Gregor Greimel, der in dritter Generation die gleichnamige Kelterei in Laufen betreibt.
Wenn heuer genügend Obst mit Bio-Zertifikat angeliefert wird, könne es schon heuer Bio-Säfte aus der Öko-Modellregion und sogar Bio-Most geben. Greimel, der in seiner Kelterei fünf feste Mitarbeiter beschäftigt, hat in Linz vor zehn Jahren die Zusatz-Ausbildung zum Most-Sommelier gemacht und hat das einst weitum beliebte Getränk im Sortiment – als Apfelwein, als bayerischen Most aus Äpfeln und Birnen, oder wenn es genügend Früchte gibt, auch als Birnenmost – zusätzlich zu 29 verschiedenen Säften.
Marlene Berger-Stöckl denkt bereits weiter. Vor drei Jahren kam die Öko-Modellregion erfolgreich mit Bio-Braugerste aus regionalem Anbau auf den Markt. Mittlerweile hat sich auch ein wachsendes Bio-Wirte-Netzwerk etabliert, das nicht nur für eine potenzielle Abnahme der Säfte aus regionalem Obst in Bio-Qualität, sondern auch von Bio-Most in Frage kommt. Warum sollte man nicht ähnlich, wie in Oberösterreich, im ehemals bairischen Innviertel, üblich und beliebt, auch in den Gaststätten der Region Most ausschenken?
Um den Absatz der Obsternte aus den zertifizierten Streuobstwiesen und -gärten ist Marlene Berger-Stöckl und Jürgen Sandner nicht bang. Die Nachfrage in der Region ist seit Jahren weitaus größer als das Angebot. Die Hauptabnehmer sind die Keltereien Greimel in Laufen, Pölz in Garching, Stöger Süßmosterei in Übersee und die ORO Obstverwertungs-genossenschaft in Rohrdorf im Landkreis Rosenheim. Pölz in Garching und ORO in Rosenheim bieten überdies ihren Vertragslieferanten Hilfestellung und Übernahme der Kosten bei der Bio-Zertifizierung.
Mit den biologisch bewirtschafteten Streuobstwiesen und Obstgärten gelinge ein sonst kaum geglaubter Dreisatz aus Landwirtschaft, kommerzieller Nutzung und Naturschutz, sagt Jürgen Sandner. „Nutz und Schutz“, bringt es Marlene Berger-Stöckl auf den Punkt. Denn die Obstwiesen bieten nicht nur vielen Insekten und Vögeln einen Lebensraum, sondern begünstigen auch die Imker und die Honigproduktion. Langfristig betrachtet, bieten gepflegte Obstbäume auch wertvolles Holz für Schreiner und Instrumentenbauer. Kräftige Obsthölzer erzielen jedes Jahr in der Wertholzsubmission in Waging gute Preise.
Sogar ein sozialer Nutzen ist möglich. Wie das geht, erklärt Bürgermeister Hans Birner aus der Gemeinde Kirchanschöring, zugleich Sprecher der Öko-Modellregion. Dort hat die Gemeinde in der Dorfmitte den sogenannten Lapperanger und noch eine weitere Streuobstwiese gepachtet, die heuer über den LPV biozertifiziert wurden. Die Bäume werden von den Jugendgruppen der beiden Feuerwehren im Dorf abgeerntet und das Obst zur Kelterei Greimel gebracht. Der Erlös kommt der Jugendarbeit in der Wehr zugute.
Auch das Gras auf dem Lapperanger mit seinen 51 Bäumen, jungen und alten, wird nur selten gemäht, um selten gewordenen Wiesenkräutern und Blumen, Insekten und Vögeln einen Lebensraum zu geben. „Wir haben hier zwei Schutzräume“, sagt Jürgen Sandner, „den Boden und die Bäume.“ Aus diesem Grund bleiben auch verdorrte Äste und Stämme länger erhalten, als in Nutzplantagen. Im scheinbaren Totholz leben Insekten und die wiederum bieten Nahrungsgrundlage für Vögel.
Dass an den Lapperanger außerdem noch der Kindergarten, die Schule und das Rathaus angrenzen, ist für Hans Birner ein glücklicher Umstand. Die Streuobstwiese steht so im Mittelpunkt der dörflichen Lebensgemeinschaft.
Öko-Modellregion und Landschaftspflegeverband wollen sich nicht nur mit dem Erhalt der bestehenden Streuobstwiesen und Gärten zufriedengeben, sondern werben für Erweiterung und Anlage neuer Gärten. Das aktuelle Ziel ist die Pflanzung von 1500 jungen Streuobstbäumen, vor allem regionaltypische Sorten. Die Bäume stellt der Pflegeverband, die Streuobst- und Gartenbesitzer übernehmen die Pflanzung und die Pflege. Aber auch dabei steht der LPV mit Rat und Tat zur Seite.
„Außer Konkurrenz“ läuft außerdem ein Versuch der Regionalinitiative ILE (Integrierte ländliche Entwicklung) mit Maronen, die heuer von den gleichen sieben Gemeinden als „Baum des Jahres“ gepflanzt wurden. Wenn das Klima weiter so warm bleibt, dann sollten auch die Esskastanien gedeihen.
Gut gediehen ist in jedem Fall das Projekt der Öko-Modellregion Waginger See – Rupertiwinkel seit der Gründung im Jahr 2014. Das Ziel war, ausgegeben vom damaligen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, dass bis 2020 die ökologische Landwirtschaft sich verdoppeln solle. Im Gebiet der Modellregion ist das Ziel realistisch. Gab es zur Bewerbung im Jahr 2013 in den sieben Gemeinden Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Taching, Tittmoning, Waging und Wonneberg noch 51 Ökobetriebe (von 734 Betrieben gesamt) mit 1184 Hektar ökologisch bewirtschafteter Flächen, so waren es 2017 bereits 74 Ökobetriebe und 1664 Hektar ökologisch bewirtschafteter Flächen (von 727 Betrieben gesamt). Auch in den drei Gemeinden Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Laufen, die sich ebenfalls der Öko-Modellregion angeschlossen haben, hat die Zahl der Ökobetriebe zugenommen.

 

Die Zahl der Öko-Betriebe lag hier 2016 bei 51 (von 411 Betrieben gesamt), 2017 waren es 55 (von 403 Betrieben gesamt). 2018 sind in der gesamten Ökomodellregion nochmals 11 Biobetriebe dazu gekommen, sodass die Gesamtzahl der Ökobetriebe von ursprünglich 7 % der Betriebe auf ca. 12 % gestiegen ist.
Weitere Informationen zur Sammelzertifizierung und zur Öko-Modellregion Waginger See-Rupertiwinkel im Internet:
www.oekomodellregionen.bayern sowie www.landschaftspflegeverband-traunstein.de
Über Annahmekonditionen und -zeiten von Obst aus der Region, ob konventionell oder mit Bio-Zertifikat, informieren die Keltereien auf ihrer jeweiligen Internetseite.

 

Von Ernst Deubelli, Artikel aus der Südostbayerischen Rundschau vom 18.08.2018

Rudolf Heinrich in Sauberg zwischen Tettenhausen und Petting (links) ist nicht nur stolz auf seine Streuobstwiesen, er schätzt mit seiner Familie auch das eigene Obst und nutzt das Angebot des Landschaftspflegeverbands (LPV) und der Ökomodellregion, um den Obstgarten zu erweitern und, wo notwendig, zu verjüngen. Gedüngt wird nur durch die Truthähne, die im Obstgarten weiden. Mit im Bild Jürgen Sandner vom LPV und Marlene Berger-Stöckl von der ÖMR.  Foto: Deubelli      Gregor Greimel, Inhaber der Kelterei Greimel in Laufen und Most-Sommerlier, hofft auf eine reiche Ernte an Obst mit Bio-Zertifikat aus der Region. Foto: Deubelli      Kichanschörings Bürgermeister Hans Birner auf der Streuobstwiese auf dem Lapperanger in der Dorfmitte zeigt auf einen Baum mit abgestorbenem Ast. Auch dieser alte Baum hat seine Lebensberechtigung. Er trägt noch reichlich Obst und sichert Leben für Insekten und Vögel.  Foto: Deubelli


 

Ein Wald für den Klimawandel, dank des Regenwurms

 

Weibhausen. (al) Einer der wichtigsten Faktoren, um dem Klimawandel zu begegnen, sei der Boden, sagte der Sprecher des Agrarbündnisses TS/BGL, Leonhard Strasser, zur Begrüßung zu einem Vortrag des Försters Ludwig Pertl im Gasthaus Gruber in Weibhausen. Zusammen mit dem Agrarbündnis hatten die Ökomodellregion Wagingersee-Rupertiwinkel und die Leader LAG Traun-Alz-Salzach, ein Förderprogramm der EU und des Freistaates Bayern, zu dieser Veranstaltung eingeladen.

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Diese Veranstaltung sei die dritte in einer Reihe, mit der Besucher auf die Wichtigkeit der Bodenbeschaffenheit aufmerksam gemacht werden sollen, sagte Strasser. Eine besondere Rolle, um dem Boden die nötige Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels zu geben, komme dem Regenwurm zu. Schon Charles Darwin habe den Regenwurm als eines der bedeutungsvollsten Tiere dieser Erde bezeichnet, zitierte Strasser bei seiner Begrüßung des Referenten und der Zuhörer und Diskutanten im fast voll besetzten Saal des Gasthauses.

 

Regenwürmer graben ein komplexes Tunnelsystem, das optimale Voraussetzungen für Durchwurzelung, Belüftung und Entwässerung des Bodens biete. Um im Wald einen guten Regenwurmbestand zu erreichen, bedürfe es aber der richtigen Mischung von Baumarten. Ein Wort der Warnung ließ Strasser hinsichtlich der Wirkung des Pflanzengiftes Glyphosat hören. Eine Studie der BOKU (Universität für Bodenkultur) Wien, habe gezeigt, die Reproduktionsrate der vertikal grabenden Würmer (Lumbricus terrestris) sei innerhalb weniger Wochen, nach Ausbringung des Herbizids, um 85% gesunken. Zugleich seien, durch die schlagartige Bewuchsabtötung der Nitratgehalt des Bodens um 1600% (!) und der Phosphatgehalt um 125% gestiegen, mit entsprechenden Folgen hinsichtlich der Auswaschung in Grundwasser und Flüsse.
Förster Pertl begann mit der Feststellung, der Klimawandel im Alpenraum schreite fast doppelt so schnell voran wie im übrigen Bundesgebiet. Ein Grund dafür sei unsere Binnenlage, fernab von Meeren. Dadurch werde der Überfluss an Grund- und Regenwasser in unserer Region keine Selbstverständlichkeit bleiben. Ein wichtiger Faktor, um dies zu verhindern, sei der Verdunstungskreislauf durch den Wald, mit seinem ausgleichenden Effekt. Bisher habe dieser Kreislauf recht gut funktioniert, obwohl wir nicht sehr pfleglich mit unseren Wäldern umgegangen seien, meinte Pertl. Es sei aber vorherzusehen, das werde nicht so bleiben.

 

Nur wenn der Boden intakt sei, könne der Wald diese Funktion als wichtiger Wasserspeicher in ausreichendem Maße wahrnehmen. Um auch bei Hitzewellen genügend Wasser zur Verfügung zu haben und das Wachstum des Waldes zu gewährleisten, bedürfe es einer bestimmten Bodenbeschaffenheit, denn nur bei Wachstum sonderten Bäume Terpene ab, die als Kristallisationspunkte für Regentropfen dienten. Ansonsten würde Wasser nutzlos verdunsten und nicht mehr zu Wolken- und Regenbildung in der Region führen. Deshalb müsse in Zukunft größtes Augenmerk auf den Wasserhaushalt im Waldbau gelegt werden.

 

Die Fähigkeit zur Wasserspeicherung hänge zum einen vom Standort und zum anderen vom Grad der Durchwurzelung mit Feinwurzeln und der Dichte an Regenwürmern im Boden ab, sagte Pertl. Feinwurzeln bereiteten den Boden für die Regenwürmer auf und diese machten mit ihrer Porenbildung daraus einen saugfähigen Schwamm und sorgten so für den so wichtigen Wasserrückhalt und die damit verbundene Nährstofferschließung.

 

In seinen weiteren Ausführungen ging Pertl auf die für eine solche Bodenbeschaffenheit geeigneten und vom Regenwurm bevorzugten Baumarten ein. Hervorragend würden dabei fein- und tiefwurzelnde Laubbäume, wie Ahorn, Esche, Ulme, Linde, Erle, Eberesche, Wildkirsche, oder Elsbeere abschneiden. Unter den Nadelbäumen eigne sich die flachwurzelnde Fichte, die schon jetzt mit der steigenden Trockenheit zu kämpfen habe am wenigsten. Etwas besser geeignet sei die Tanne. Eine Patentlösung könne es aber nicht geben, denn sehr viel hänge auch vom Standort ab.

 

In der dem Vortrag folgenden Diskussion wurden vor allem Fragen nach der Wirtschaftlichkeit eines für den Klimawandel tauglichen Waldes laut. Pertl meinte dazu, um unsere Wälder in stabile Dauerwälder, oder gar „Klimaschutzwälder“ umzubauen, gebe es keine Patentlösungen. Generell könne gelten, es bedürfe mindestens eines Anteils von 20% an Edellaubhölzern in Mischung mit Buche, Tanne und Fichte um eine geeignete Regenwurmdichte und einen guten, stabilen Bodenzustand zu erreichen.
Bei der Waldbegehung am nächsten Tag inspizierten die Teilnehmer drei Standorte. Der erste Ort der Inspektionen, mit einer Mischung aus Buche, Tanne und Fichte zeigte kein gutes Resultat. Die Oberschicht aus modrigem Laub schien keine gute Nahrungsgrundlage für Regenwürmer und auch die Durchwurzelung mit Feinwurzeln schien nicht ideal. Noch schlechter war das Ergebnis am zweiten Grabungsort, der überwiegend mit Fichten bewachsen war. Der torfähnliche saure Moder sei vom Optimalzustand weit entfernt und für zukünftige klimatische Herausforderungen ungeeignet, sagte Pertl. Als bester erwies sich der dritte Standort, mit einer Mischung aus Ahorn, Pappeln und Fichten. Der feinkrümelige, dunkle Humus lasse den Regenwurm gedeihen und sei gleichzeitig fähig, kurzfristig große Mengen an Starkregen aufzunehmen und zu speichern. Das ergebe zudem einen guten Rückhaltefaktor für Nährstoffe, meinte Pertl.
Ein großes Problem sah Pertl in der kurzfristig mangelnden Wirtschaftlichkeit eines dauerhaften und gesunden Klimaschutzwaldes. Langfristig überwiege aber zweifellos der Nutzen eines solchen Waldes für das Gemeinwohl. Insbesondere sei deshalb die Politik gefordert die Weichen zu stellen, um einen vielseitig und stabil aufgebauten Wald zu erreichen, der sowohl seine Aufgabe als Klimaschützer und auch als Nutzwald erfüllen könne.

 

Alois Albrecht, SOR vom 12.06.2018

 

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Paradies für Tier und Mensch

 

Sonnenschein und sommerliche Temperaturen bildeten den geradezu idealen Rahmen eines informativen Frühlingsspaziergangs über den Streuobstanger der Familie von Dr. Lutz Hilgert. Ziel dieses kostenfreien Flurgangs, der ca. 50 Teilnehmer aller Altersklassen und damit deutlich mehr als erwartet, anlockte, waren die bunten Frühlingsblüher unter den von Sträuchern geschützten Streuobstbäumen des Anwesens.

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Unterstützt von der Kreisfachberatungsstelle für Gartenkultur und Landschaftspflege am Landratsamt Traunstein hatten die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel und der Landschaftspflegeverband Traunstein, der sich um die Pflege der Bäume kümmert, diese Tour organisiert. Geführt wurde sie von Kreisfachberater Markus Breier und Carsten Voigt vom Landschaftspflegeverband.

 

Während Markus Breier die Gruppe zu den einzelnen Frühblühern führte, die Besonderheiten von bekannten oder unscheinbaren Pflanzen erklärte, Legenden dazu erzählte und die Tricks mancher Blumen für die Bestäubung erläuterte, weihte Carsten Voigt in die Geheimnisse einer intakten Streuobst-Wiesenwelt ein, die ein Wunder der biologischen Vielfalt sind. Dabei wurde auch deutlich, dass wegen der späten Fröste in letzten Frühjahr mancher Apfelbaum weniger trug. Und dass andere Bäume die kalten Nächte relativ gut überstanden haben, was unter anderem am unterschiedlichen Entwicklungsstand der Blüten in den Nächten mit Minusgraden lag. Eine Mischung von früh- und spätblühenden Sorten verringert das Risiko eines Totalausfalls der Ernte bei ungünstigen Witterungsbedingungen.
In dem kurzen Zeitfenster, wenn die Bäume noch keine Blätter haben und die Frühjahrssonne den Wiesenboden erreicht, beeilen sich Frühlingsblumen wie die weißen und gelben Buschwindröschen, das Scharbockskraut oder die Schlüsselblumen mit der Blüte. In Wurzelknollen, Wurzelausläufern oder Zwiebeln legen sie dazu schon im Herbst Reserven an, so dass sie im Frühjahr schneller austreiben können. „Die jungen Blätter des Scharbockskrauts, die viel Vitamin C enthalten, galten früher als Heilmittel gegen Skorbut; nach der Blüte werden sie giftig“, sagte Breier.

 

Ein Stückchen weiter wuchs das echte Lungenkraut, dessen Blüten mit der Zeit die Farbe wechseln: jung sind sie zartrosa, später dann violett. „So zeigen sie den Insekten an, wo ein Besuch am verlockendsten ist, und sichern damit ihre Bestäubung.“ In voller Blüte stand die Riesenschar von hochstieligen Wald-Schlüsselblumen. Eine Art, die verschieden gestaltete Blütentypen (Heteromorphie) zur Förderung der Fremdbestäubung hervorbringt. Breier zeigte auch die entsprechend unterschiedlich ausgebildeten Kronen, Kelche, Staubblätter und Narben.

 

Der Name Schlüsselblume deute auf die Blüten hin, die einem alten Schlüssel mit Bart gleichen. Die populäre Legende von Petrus halte bis zum heutigen Tag: Petrus hat im Himmel seinen Schlüsselbund fallen lassen und wo er auf die Erde traf, soll die Schlüsselblume gewachsen sein. Zwischendurch lauschte man auch den Vögeln, die in der Ferne ihr fröhliches Lied zwitscherten, und beobachtete die eine oder andere Biene, die auf der Suche nach Nektar schon eifrig zwischen den Bäumen umherschwirrte. Im Gegensatz zu den Teilnehmern galt ihr Interesse aber nicht dem alten Birnbaum, dessen Knospen sich gerade öffneten und einen wunderbaren Anblick boten. „Auf einer Streuobstwiese werden robuste, lokal bewährte Apfel-, Birnen-, Kirsch-, Nuss- und Zwetschgensorten angebaut, die wenig anfällig gegenüber Krankheiten und Schädlingen sind“, so Carsten Voigt. Wobei er die Kirsche wegen der derzeit weit verbreiteten Schrotschusskrankheit nicht unbedingt empfehle.
„Im Sommer spenden uns die großen, alten Bäume wertvollen Schatten. Die extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen sind nicht nur als Lieferanten von sehr geschmackvollem Obst wertvoll, vielmehr zählen sie auch zu den artenreichsten Lebensräumen in unserer Landschaft.“ Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft seien die Streuobstwiesen vielerorts aus der Landschaft verschwunden. Daher fördere nicht nur der Landschaftspflegeverband, sondern auch die Ökomodellregion das Neuanpflanzen von Streuobstbäumen, insbesondere auf Bauernhöfen und in Ortsrandlage. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt seien, übernehme der Landschaftspflegeverband die Kosten für die Bäume und das Material, das für das Pflanzen notwendig ist. Zudem biete der Landschaftspflegeverband auch den Auslichtungsschnitt von alten Obstbäumen zur Entlastung und Verjüngung von Baumkronen an. Darüber hinaus stehe der Verband (unter Telefon 0861-58393) auch für Beratungen zu Fragen des Streuobstbaus und der Fördermöglichkeiten als Ansprechpartner zur Verfügung, sagte Voigt, dessen Ausführungen zu Entwicklung, Nutzung, Schutz und Sortenspektrum von Streuobstwiesen den Spaziergang begleiteten.

 

„Obstwiesenbesitzer, die mindestens acht Bäume haben und ihren Ertrag nicht größtenteils selbst verwerten, sondern an Keltereien liefern möchten, haben seit heuer die Möglichkeit, an einer Biosammelzertifizierung für Streuobst teilzunehmen. Jeder konventionelle Landwirt, der einen Streuobstanger hat und bereit ist, ihn nach Biokriterien zu bewirtschaften, kann sich für eine Biosammelzertifizierung beim LPV Traunstein oder auch bei der Ökomodellregion melden. Regionales Bioobst wird mit einem etwas höheren Preis vergütet“, betonte die Projektleiterin der Ökomodellregion, Marlene Berger-Stöckl. „Alle Obstwiesenbesitzer, die Platz für weitere acht Bäume haben oder einen neuen Anger mit mindestens ebenso vielen Bäumen anlegen möchten, können sich beim LPV oder im Büro der Ökomodellregion (unter Telefon 08681-400537) für die Herbstpflanzung melden.“ Die Pflanzaktion des Landschaftspflegeverbands Traunstein laufe seit 2015 gerade in der Ökomodellregion sehr gut und man komme dem Ziel, zunächst 750 Hochstämme als „Halbzeit-Marke“ zu setzen, immer näher, freute sie sich.

 

Nachdem die Gäste noch einige Wildkräuter samt deren Verwendung in der Naturapotheke und in der Küche kennengelernt hatten, lud Familie Hilgert zu einem lauschigen Plätzchen unter den Bäumen, wo sie ein kleines Büffet aufgebaut hatte. Dort lockte Apfelsaft und Apfelmost aus dem eigenen Garten zum Probieren. Das ließen sich auch die Buben und Mädchen nicht entgehen, die sich zuvor an den verschiedenen Naturspielgeräten vergnügten, die auf dem Gelände stehen. Denn der Obstanger der Familie Hilgert an der Götzinger Straße ist nicht nur ein Paradies für Tiere, sondern auch für Menschen. „Arbeit macht auch dieser Garten“, zeigte sich Anni Tahedl, die sich seit Jahrzehnten im Kirchanchöringer Gartenbauverein engagiert, auf dem Nachhauseweg sicher.

 

Artikel vom 21.4. in der SOR von Anneliese Caruso

 

 

Markus Breier erklärt, wie die Bienen ihren "Landeplatz" per Blütenkennzeichnung finden. Bild: Caruso

 


 

Baumpaten leisten wertvolle Pflegearbeiten – Arbeitsgruppe Artenschutz und Streuobst informiert sich über den ökologischen Wert von Streuobstwiesen

 

Die Erziehung und Pflege von Streuobstbäumen macht Arbeit, aber auch sehr viel Freude – das verdeutlichte Annette Bobenstetter aus Waging bei einem gut besuchten Treffen der Gruppe „Streuobst und Artenschutz“ der Ökomodellregion im Ottinger Oberwirt. Die Streuobstwiese in Ebing mit vierzig Hochstämmen, von der Gemeinde Waging im Jahr 2015 als Ökokontofläche angelegt, dürfte wohl die größte Obstwiese in der Region sein, die von Baumpaten ehrenamtlich betreut wird – eine Win-win-Situation für beide Seiten, wie Bobenstetter erläuterte: Denn die Gemeinde spart sich viel Pflegeaufwand und stellt eine vorbildliche Bewirtschaftung dieser Fläche sicher; die Baumpaten hegen und pflegen „ihre“ Wiese mit Begeisterung und sehen den ersten größeren Obsterträgen erwartungsvoll entgegen.

 

 

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Voraussetzung für die Pflege eines Obstangers in dieser Größe ist Fachwissen, wie es Annette Bobenstetter aus ihrer obstbaugeprägten schwäbischen Heimat mitgebracht hat, und die Bereitschaft, sich über Jahre hinweg um die Betreuung ihrer „Sprößlinge“ verlässlich zu kümmern – deshalb haben die Baumpaten die Sorten selbst ausgesucht oder nehmen gemeinsam an Schnittkursen teil. Während Apfelbäume, Birnen und Zwetschgen in Ebing hervorragend gedeihen, ist für Süßkirschen der Boden eher zu schwer, wie Bobenstetter anfügte. Das Ehepaar Bobenstetter hat einen Kreis von Mit-Paten organisiert, der für die regelmäßigen Pflegearbeiten bereitsteht, vom Erziehungsschnitt bis zum gemeinsamen Gießen oder dem Ausmähen mit der Sense. Zwischen den Baumreihen mäht ein Landwirt per Traktor, den die Gemeinde damit beauftragt. Weitere Baumpaten aus der Ökomodellregion haben mit privaten Grundstücksbesitzern ähnliche Absprachen getroffen und dürfen sich so über eine Obstwiese freuen, die sie fast wie ihre eigene bewirtschaften können, während der Besitzer von Arbeit entlastet wird. Interessierte Obstwiesenbesitzer oder -paten dürfen sich weiter bei der Ökomodellregion melden.
Die Doppelnutzung eines Streuobstangers sei in Oberbayern auf Obstbaumbestand mit Wiese oder Weide beschränkt, so eröffnete Landschaftsplaner Carsten Voigt seinen Vortrag über den ökologischen Wert von Streuobstwiesen, während es z.B. in Franken auch Äcker mit Obstbäumen gebe. In seinem Abriss zur Entwicklung der Kulturlandschaft zeigte er anhand zahlreicher Beispiele, wie positiv sich eine kleinbäuerliche Bewirtschaftung mit mosaikartigen abwechslungsreichen Strukturen auf die ökologische Vielfalt auswirkt.

Ein vielfältiges ökologisches Netz zu erhalten, sei nicht nur eine ethische Frage für den Menschen, sondern ermögliche ein großes Anpassungspotential z.B. bei Klimaveränderungen, sowie Ressourcen für medizinische Zwecke. Der größte Artenreichtum war im 19. Jahrhundert zu beobachten, während heute über die Hälfte aller 570 heimischen Wildbienenarten und sogar mehr als drei Viertel aller heimischen Tagfalterarten akut vom Aussterben bedroht sei. Die Züchtung früherer Kultursorten nahm einen Aufschwung, als Obst mit der Eisenbahn in die aufstrebenden Städte transportiert werden konnte, so entstand z.B. der Sonnenwirtsapfel als einer von damals über 1000 Kultursorten. Von den unzähligen früheren Lokalsorten sind z.B. die Ananasrenette oder der Waginger Kalvill (ein später Lagerapfel) übrig geblieben und werden heute wieder gepflanzt.

Alte Sorten schmecken oft eigenwilliger als heutige Sorten, man muss ihren unterschiedlichen Verwendungszweck kennen, um sie optimal nutzen zu können. Sie enthalten einen höheren Grad an Polyphenolen, das sind Bitterstoffe, die zur Abwehr der Pflanze gegen Krankheiten beitragen, aber auch der menschlichen Gesundheit nützen; manche alten Sorten werden von Apfelallergikern besser vertragen. Je größer der Obstanger, desto wertvoller wird er für
viele Tierarten, das machte Voigt am Beispiel tierischer Bewohner deutlich, die Rinde, Stamm oder Blattwerk als Unterschlupf nutzen, wie Fledermäuse, Siebenschläfer oder der Buntspecht.

Für den Wert der Honigbiene entwickeln wieder mehr Menschen ein Bewusstsein; die Bestäubungsleistung von Wildbienen und Hummeln, gerade bei Wind oder kühleren Temperaturen, werde immer noch unterschätzt. Ganz wichtig sei es, im Obstanger auch Totholz zu belassen. Im Zusammenspiel mit einer extensiv bewirtschafteten Wiese oder Weide gebe es kaum einen Lebensraum, so Voigt, der artenreicher sei als ein Streuobstanger – von bis zu 70 Tagfaltern und 200 Nachtfaltern, von Bockkäfern bis zu einer enormen Biomasse an Spinnen, die wiederum als Futter für Grünspecht oder Gartenrotschwanz dienen, von Ameise bis Wildhase. Beispielsweise sei der Ameisenbläuling, ein inzwischen sehr seltener Tagfalter, in seiner Entwicklung von einer bestimmten Ameisenart und vom großen Wiesenknopf, einer Pflanze extensiv genutzter Wiesen, gleichzeitig abhängig – ein Streuobstanger ist dafür der ideale Lebensraum. Für einen Großteil der 24 bayerischen Fledermausarten dient ein Streuobstanger nicht nur als Nahrungsrevier oder Sommerquartier, sondern auch als wichtiger Strukturpunkt zur Orientierung in der Landschaft.

Anschließend informierte Voigt noch über die Förderkriterien für Neupflanzungen. Viele der jetzigen Obstanger sind älter als 60 Jahre, d.h. wenn jetzt nicht nachgepflanzt wird und diese verjüngt werden, gehen noch mehr Streuobstanger in der Zukunft verloren. Interessenten können sich für die nächste Herbstpflanzung ab acht Stück bis Mai in der Ökomodellregion (oekomodellregion@waging.de oder 08681/ 4005-37) oder beim LPV Traunstein melden. Anhand einer Übersichtskarte stellte Voigt die ca. 60 neuen Obstanger auf der Traunsteiner Seite der Ökomodellregion vor, die seit 2015 in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband angelegt wurden.

Dass das Tätigkeitsfeld der Arbeitsgruppe über Streuobst hinausgeht, bewies die rege Diskussion im Anschluss. Georg Blank, Erwerbsobstbauer aus Molbaum, hat umfangreiche Erfahrungen mit heimischen Sorten und appellierte, auf die Resistenz z.B. gegen Schorf zu achten. Alle zehn Gemeinden der Ökomodellregion haben sich verpflichtet, auf den kommunalen Flächen nicht nur auf Glyphosat, sondern generell auf Pestizide zu verzichten, erinnerte Sprecherin Beate Rutkowski. Dieser Beschluss solle durch einen Eintrag in das Netzwerk pestizidfreier Gemeinden bekanntgemacht werden, schlug sie vor. Pestizidfreiheit auf kommunalen Flächen allein sei aber zu wenig, so Teilnehmer Heini Thaler aus Otting. Um auch die Gartenbesitzer über die drängende Notwendigkeit einer ökologischen Bewirtschaftung im Sinne der Artenvielfalt aufzuklären, einigten sich die Teilnehmer auf einen Vortrag vor Beginn der Gartensaison. Einige Vertreter der Bauhöfe haben sich zum Thema „Unkrautbekämpfung ohne Pestizide“ längst fortgebildet, das Thema solle in der Ökomodellregion aber intensiviert werden. Parallel dazu sollen die Bürger informiert werden, dass Gras in den Fugen nichts mit schlampiger Bewirtschaftung zu tun hat, sondern der Beitrag der Gemeinde zum Verzicht auf Spritzmittel ist, was in den Köpfen vieler Bürger noch nicht angekommen sei, so Thaler. Im Zusammenhang mit einer Veranstaltung zum Thema Grünlandbewirtschaftung sei vorgesehen, das Thema „Verzicht auf Glyphosat bei Neuansaat von Wiesen“ auch für Landwirte fachlich abzuhandeln, so Projektmanagerin Marlene Berger-Stöckl. Hartl Strasser, zweiter Sprecher der Arbeitsgruppe, wünscht sich dabei ergänzende Informationen zur Rinderfütterung, denn aus seiner Sicht sollten ergänzende Futtermittel auf die bestehende Grünlandbewirtschaftung abgestimmt werden und nicht umgekehrt.

Unverzichtbar seien die Landwirte, wenn es darum gehe, praktische Beispiele für das Projekt „Vernetzung von Lebensräumen“ zu schaffen, wie es schon von Beginn an in der Arbeitsgruppe vorgeschlagen worden sei, ergänzte Rutkowski thematisch, sei es durch eine Pflanzung von Hecken, durch extensiv bewirtschaftete Flecken oder einfach nur durch die Anlage eines Totholzhaufens – jeder habe dazu die Möglichkeit und man solle das Thema ab sofort bewerben. Es sei nach den Vorarbeiten gemeinsam mit der ILE-Initiative Zeit für eine praktische Umsetzung. Hans Glück erinnerte an die weiteren kommunalen Beschlüsse und schlug vor, in jedem Gemeinde- oder Stadtrat und in jeder Verwaltung einen Zuständigen zu ernennen, der sich aktiv um die Umsetzung dieser Beschlüsse kümmere.

Erschienen in der Südostbayerischen Rundschau vom Samstag, den 16.12.2017
Autor Hans Eder

 

Baumpaten Ebing - Baumpatin Annette Bobenstetter (rechts) auf dem Obstanger in Ebing, Foto: Eder


 

Anleger von Streuhochstämmen gesucht – Meldeschluss: 8. Juni

Die Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel will 1500 Streuobsthochstämme neu pflanzen. Gut 500 sind seit Anfang 2015 gepflanzt worden, die meisten davon rund um Waging, auf landwirtschaftlichen, privaten und kommunalen Flächen; die Mindestgröße beträgt acht Stück. Weitere Anleger von Streuobsthochstämmen sind deshalb bis 8. Juni gesucht. Beim LPV werden Meldungen bis zum 16. Juni angenommen.

 

Kooperationspartner ist auf Traunsteiner Seite der Landschaftspflegeverband Traunstein, der den Förderantrag für alle zu bepflanzenden Flächen stellt. Auf Berchtesgadener Seite übernimmt dies die Biosphärenregion, hier wird seit zwei Jahren ebenfalls mit großem Erfolg gepflanzt. Der Eigentümer muss die Bäume selbst pflanzen und kümmert sich um die Pflege; es sei denn, er findet einen Baumpaten, der ihn dabei untersützt – zehn Baumpaten hat die Ökomodellregion bereits vermittelt.Das Programm wendet sich besonders an Landwirte und Wiesenbesitzer in Ortsrandlagen.

 

Da der Förderantrag in Kürze gestellt werden muss, können sich interessierte Wiesenbesitzer bis spätestens 16. Juni beim Landschaftspflegeverband unter Telefon 0861/58-393 oder falls die Wiese im Gebiet der Ökomodellregion liegt bis 8. Juni , unter 08681/4005-37 melden, um einen Ortstermin zu vereinbaren.

 

Hier können Sie den ganzen Artikel herunterladen:

01.06.2017: Anmeldeschluss für Streuobstbäume, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 


 

 

Der erste Wiesenwettbewerb in der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel ist gestartet – Anmeldefrist bis zum 30.05.2017

Die Integrierte Ländliche Entwicklung und Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel suchen arten- und blütenreiche Wiesen

Der Anblick einer buntblühenden Wiese in unserer einmaligen Voralpenlandschaft, in der Bienen und andere Insekten nur so summen und surren, lässt einem regelrecht das Herz aufgehen. Extensives Grünland gehört neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotopen im weltweiten Vergleich; es ist ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere und hat das Landschaftsbild in unserer Region bis vor wenigen Jahrzehnten wesentlich geprägt. Man kann zu Recht von regelrechten Multitalenten sprechen: Extensiv genutztes Grünland stellte im Rupertiwinkel eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutzungsformen dar. Es dient der Futterproduktion und damit der Erzeugung von Milch und Fleisch. Traditionell bewirtschaftete, ein- bis dreischürige Wiesen zeichnen sich durch Blütenreichtum und enorme Artenvielfalt aus. Daneben trägt dieses extensiv genutzte Grünland zum Schutz von Boden, Gewässer und Klima bei. Wiesenschutz ist Trinkwasserschutz.

 

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Extensiv genutzte Wiesen sind allerdings auch im Rupertiwinkel selten geworden. Der Lebensraum „Blumenwiese“  ist im Schwinden begriffen, nicht nur in der Landwirtschaft, auch bei privaten Grundstücksbesitzern. Mit dem Wiesenwettbewerb wollen die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) und die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel in Zusammenarbeit mit der LAG LEADER Traun-Alz-Salzach die Leistungen der Landwirte, Bäuerinnen und Privatpersonen honorieren, die mit einer besonders naturverträglichen Bewirtschaftung diese artenreichen Wiesen erhalten und in ihrem landwirtschaftlichen Betriebskreislauf nutzen. Das Projekt wird finanziell vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern (ALE) unterstützt, wie das Amt kürzlich mitteilte. Wir hoffen auf eine rege Beteiligung vieler Wiesenbesitzer! Machen Sie mit Ihren Wiesen beim Wettbewerb mit! Die Veranstalter sind gespannt, welche einmaligen Schätze sich entdecken lassen!

 

Die komplette Ausschreibung können Sie hier herunterladen:

Ausschreibung Wiesenwettbewerb (PDF)

 

Presse

20.05.2017: Wiesenwettbewerb in der Ökomodellregion, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 


 

Streuobstwiesen als blühende Biotope – „Anleger“ für neue Wiesen gesucht

„Die Aktion blühender Landkreis in Traunstein war kein Strohfeuer, sondern wird in den nächsten Jahren konstant fortgesetzt – und Streuobstwiesen leisten dafür einen wichtigen Beitrag, weil sie für Honig- und Wildbienen eine sehr gute Trachtquelle sind“, so stimmte der neue Kreisfachberater für Gartenkultur, Markus Breier, die ca. 30 interessierten Teilnehmer auf dem Gang zur Obstwiese der Familie Geisreiter in Zözenberg bei Waging ein.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

170508 Streuobstwiesen als blühende Biotope, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 


 

Gärtnern am besten ohne Torf

„Vielen Hobbygärtnern ist nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf von torfhaltiger Erde zur Zerstörung wertvoller und schützenswerter Moore beitragen“: Diese Mahnung richtet Beate Rutkowski zu Beginn der Pflanzsaison an alle umweltbewussten Gartenbesitzer. Die Vorsitzende der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Traunstein ist auch in der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel engagiert; dort ist sie Sprecherin der Arbeitsgruppe Artenschutz und Streuobst.

 

Den ganzen Artikel können Sie hier herunterladen:

07.04.2017: Gärtnern am besten ohne Torf, aus: Traunsteiner Tagblatt, Hans Eder (PDF)

 


 

Wälder mit Schutzfunktion für den Waginger See

Was hat ein Wald in Wonneberg mit dem Schutz des Waginger Sees zu tun?

Bei einem Waldbegang in der Ökomodellregion erläuterte Förster Max Poschner  gemeinsam mit Leonhard Strasser (Agrarbündnis) und Hans Praxenthaler (Arbeitsgemeinschaft naturgemäßer Waldbau), wie z.B. der Schutzwaldstreifen am  Panolsgraben in Wonneberg so bewirtschaftet werden kann, dass er seine Schutzfunktion für den Seezubringer als Nährstoffrückhalt und Wasserspeicher  auch in Zukunft erfüllen kann.

 

Den ganzen Artikel können Sie herunterladen:

18.03.2017: Wälder mit Schutzfunktion für den Waginger See (PDF)

29.03.2017: Abflusssituation bei Starkregen dramatisch verschärft, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

 


 

Streuobsthochstamm in Lampoding gepflanzt

Zwei neue Obstanger wurden vom Landschaftspflegeverband Traunstein e.V. mit 24 Schülern aus der Staatlichen Berufsschule Traunstein III, Fachrichtung Gartenbau, im Bereich der Ökomodellregion Waginger See/ Rupertiwinkel angelegt. Gemeinsam pflanzten die Berufsschüler mit ihren Lehrern Klaus Herold und Manfred Maier sowie Carsten Voigt vom Landschaftspflegeverband Traunstein jeweils acht neue Bäume auf zwei Wiesen in Lampoding an – und damit den 500. Streuobsthochstamm.

 

Den kompletten Artikel können Sie hier herunterladen:

09.11.2016: Streuobstpflanzung in Lampoding, aus: Südostbayerische Rundschau, Gitti Sojer (PDF)

 


 

Presse

13.10.2016: Waldumbau, aus: Bayernkurier, Anja Schuchardt (Link zu Youtube)

04.06.2016: Streuobstbäume für Wildbienen, aus: Südostbayerische Rundschau, Hans Eder (PDF)

04.06.2016: Streuobstbäume als wichtige Lebensräume, aus: Traunsteiner Tagblatt, Hans Eder (PDF)

31.05.2016: Freut sich die Biene, freut sich der Mensch (PDF)

01.03.2016: Streuobstwiesen wertschätzen und erhalten (PDF)

 

Weitere Presseartikel finden Sie am Ende dieser Seite.

 


 

Die Arbeitsgruppe „Streuobst und Artenschutz“ kooperiert mit vielen Initiativen und wichtigen Partnern aus der Region, so mit dem Landschaftspflegeverband Traunstein, der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz in Traunstein, den Obst- und Gartenbauvereinen, der Chiemgauer Streuobstinitiative, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein/ Abteilung Forstwirtschaft, der Leadergruppe Traun-Alz-Salzachtal und weiteren künftigen Partnern.

 

Ein konkretes Ziel ist die Anlage von 1.500 neuen Streuobsthochstämmen in der Region, über 400 davon wurden bis zum Frühling 2016 gepflanzt. Auch die Pflege muss organisiert werden: Interessierte Baumpaten kümmern sich um Erziehungs- und Auslichtungsschnitt und dürfen schließlich den Hauptteil des Obstes genießen, wenn ein Eigentümer zwar Flächen zur Verfügung stellt, sich aber nicht selbst mit der Pflege befassen will. Was die Verwertung angeht, so wurde gemeinsam mit der Streuobstinitiative Chiemgau e.V. und verschiedenen Leader-Arbeitsgruppen der Region ein Projekt zur Bio-Sammelzertifizierung von Streuobst in die Wege geleitet, dessen Finanzierung gerade geklärt wird. Die Vernetzung von Feld-, Wald- und Gewässerrändern zu Lebensräumen für gefährdete Tierarten wurde von der Ökomodellregion als Leitprojekt in die integrierte ländliche Entwicklung (ILEK) eingebracht, denn auch Wildhecken sind wichtige Lebensräume; es soll 2016 gestartet werden.

 

Passionierte Bürger und Naturschützer setzen sich ein für das Überleben der Wildbienen und weiterer Arten, für naturnahe Wälder, Vielfalt und Wildwuchs.

 

Presse

29.10.2015: 16 neue Obstbäume am Mühlberg gepflanzt (PDF)

02.07.2015: Aufruf des Landschaftspflegeverbandes (PDF)
02.06.2015: Neuanlage Streuobst (PDF)

28.05.2015: Streuobst – Hans Eder (PDF)

11.05.2015: Giftfreier Hausgarten (PDF)

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